Crowdfox ist ein in Köln ansässiger Marktplatz, der in der Vergangenheit durch sehr vollmundige Versprechen aufgefallen ist. Das ursprüngliche Geschäftsmodell wurde vor Monaten durch meinen Artikel gekippt. Das Unternehmen wollte als Handelsagent für Konsumenten auftreten, um seinen Kunden so einen um 10% günstigeren Kaufpreis als bei Amazon zu ermöglichen. Seitdem ist die Firma und sein Geschäftsführer Wolfgang mehrmals unangenehm bei Händlern und Kunden aufgefallen. Es berichtete zum Beispiel online-haendlernews.de oderdeutsche-startups.de.

Crowdfox mit neuem Warenbeschaffungsmodell: Es kam zu unzähligen Händlerbeschwerden

Nachdem das ursprüngliche Vermittlungsmodell gekippt war, versuchte Crowdfox, durch sehr zweifelhafte Methoden, an Ware zu kommen. Ohne Wissen der Konsumenten bestellte das Unternehmen bei verschiedenen Shops die benötigte Ware und gab so auch die Kundendaten weiter. Natürlich war das nicht durch die Datenschutzerklärung gedeckt. Händler wiederum wunderten sich über Kundenrückfragen. Denn sie wussten gar nicht, dass Crowdfox ohne ihr Wissen Waren für Dritte gekauft hat.

Schlimmer noch: In einigen Fällen wurden so Vertriebsbeschränkungen umgangen, sodass ein mir bekannter Händler eine Abmahnung seitens seines Herstellers erhielt. Der Hersteller selbst hatte einen Testkauf über Crowdfox veranlasst.

Mitunter waren solchen „Warenbeschaffungen“ auch Kontaktaufnahmen durch Crowdfox bei den Händlern vorausgegangen. Händler, die ausdrücklich der Zusammenarbeit nicht zustimmten, beobachteten trotzdem, dass ihre Produktdaten auf Crowdfox veröffentlicht wurden und es auch zu Bestellungen kam.

Wolfgang Lang sprach von „Einzelfällen“. Dem kann ich aufgrund zahlreicher Händlerbeschwerden nicht zustimmen (s. Posts in meiner Facebook-Gruppe). In meinen Augen wird hier „schön geredet“.

Ein neues Warenbeschaffungsmodell. Besser ist das auch nicht.

Auf den ersten Blick kommt dieses neue Modell ja recht smart rüber. Händler erhalten unaufgefordert eine solche Mail:

Aus der anhaltenden öffentlichen Kritik hat CEO Wolfgang Lang wohl nichts gelernt.

Mit dieser wird dem Händler ein hoher Bedarf an seinen Produkten suggeriert und er wird gebeten, ein Angebot abzugeben. In 2 Fällen, die mir als Mail vorliegen, äußerten die Angeschriebenen großen Zweifel, dass die angefragten Mengen der realen Nachfrage entsprechen. Sie vermuten, dass Crowdfox hier sehr stark übertreibt, um den Händlern Umsatzpotenzial vorzugaukeln, damit sie sich auf der Plattform registrieren. Auch ich teile diese Einschätzung. Crowdfox versucht mit allen Mitteln, Händler zu locken. Und wenn die Vermutungen der angemailten Händler stimmen, dass die angekündigte Nachfrage nicht real ist, dann bedient sich Crowdfox unlauterer und wettbewerbsrechtlich nicht erlaubter Methoden. Wundert mich das? Ne.

Aus der anhaltenden öffentlichen Kritik hat CEO Wolfgang Lang wohl nichts gelernt.

Aus Konsumentensicht betrachtet: Hier ist Vorsicht geboten!

Warum auch für Verbraucher das aktuelle Modell nur mit Vorsicht zu genießen ist, erklärt ein kurzer Blick in die AGB:

Aus der anhaltenden öffentlichen Kritik hat CEO Wolfgang Lang wohl nichts gelernt.

Verstehe ich das richtig? Der Kunde hat die Ware bestellt und bezahlt, aber dennoch keinen Kaufvertrag geschlossen? Die Formulierungen des §3 in Verbindung mit dem §7 Ziff. 4 der Crowdfox AGB sind in meinen Augen für einen Verbraucher überraschend und ich glaube nicht, dass sie einer Überprüfung standhalten.

Verbraucher werden angehalten einen Kauf zu tätigen, während Crowdfox noch nicht einmal ansatzweise die Verfügbarkeit der Ware gewährleisten kann. Ob was nicht in mehrfacher Hinsicht juristisch relevant ist?

Aber auch andere Formulierungen sind höchst kundenunfreundlich und in meinen Augen so nicht zulässig (§4 Ziff. 3):

Aus der anhaltenden öffentlichen Kritik hat CEO Wolfgang Lang wohl nichts gelernt.

Die Idee dahinter scheint wohl diese zu sein: Da Crowdfox ja selber als Käufer der Artikel auftritt (ihnen fehlen ja die Händler), kommt zwischen beiden Parteien ein B2B-Vertrag zustande. Das bedeutet, der Händler, der tatsächlich an den Verbraucher versendet, kann nicht nur auf Abnahme der Ware gegenüber Crowdfox bestehen, er kann sich auch die Kosten einer erfolglosen Zustellung von Crowdfox bezahlen lassen.

Mein Fazit:

Nach wie vor hat Crowdfox aus den massiven Kritiken seitens Händler, Konsumenten und Medien wohl nichts gelernt. Es scheint ein Drang des Herrn Lang zu sein, mit allen Mitteln und mit der Brechstange sein „Crowdfox“ zu retten. Das wird ihm meiner Meinung nach nicht gelingen. Zu viele Baustellen und zu viele „halbseidene“, vermeintliche Lösungen.

Operative Hektik ersetzt geistige Windstille

Das hört sich jetzt gemein an, trifft aber meines Erachtens den Nagel auf den Kopf. Unmittelbar nach dem Zusammenfall des ursprünglichen Geschäftsmodells und zunehmender Kritik der Verbraucher (Die Bewertungen bei Trusted Shops waren unterirdisch!), beobachtete ich die panisch anmutende „Warenbeschaffung“ (s. o.). Diese nahm ich ja nun auch genauer unter die Lupe: Fakt war, dass Crowdfox nahezu alle Ankäufe unter Einstandspreis an die Konsumenten auslieferte. Das führte zwar zunächst dazu, dass die Kunden begeistert waren (s. aktuelle Bewertungen) aber es führte auch dazu, dass Investorengelder noch und nöcher verbrannt wurden.

Klar, es ist keine Kunst, Sales zu generieren, wenn ich unter meinem Einstandspreis weit unter dem Marktpreis verkaufe. Das geht so lange gut, wie ich neues, frisches Geld bei Investoren abholen kann. Funktionieren so oder so ähnlich nicht auch Schneeballsysteme?