Die Übermacht von Amazon, Zalando und Co. scheint nun auch bei den kleineren und mittleren Händlern angekommen zu sein. Selten habe ich so viele Klagen über Umsatzrückgänge gelesen. Nicht nur die eBay Händler klagen, sondern auch bei den Amazon Marktplatzhändlern wird fleißig gejammert. In einigen Bereichen sind Umsatzrückgänge in zweistelliger Höhe zu beobachten.

Lokale Händler werden wach. Auch sie werden dieses Jahr massiv in den umkämpften Onlinemarkt drängen und wie so oft, werden auch hier die Marktplatz-Plattformen die Eintrittskanäle sein. Nicht zu unterschätzen ist die große Zahl an lokalen Händlern, die den Weg ins Internet finden können. Hieraus wird eine ganz neue Wettbewerbssituation entstehen. Das wird eine echte Herausforderung für Pure-Player, die ausschließlich auf den Online-Markt setzen.

Aber auch der grenzüberschreitende Handel wird zunehmend, für die in Deutschland ansässigen Händler, ein Thema werden. Während auf der Wettbewerbsseite die Chinesen massiv in den Markt drängen, stellt sich die Frage, ob die Händler bereit sind, diese Entwicklung nicht als Einbahnstraße zu verstehen.

Händler werden Antworten auf Fragen finden müssen, die sich aus diesen Entwicklungen ergeben. Eine große Herausforderung!

Diese Dinge werden in meinen Augen das Jahr maßgeblich bestimmen. Weiterhin werden ebenfalls diese Themen uns 2016 beeinflussen:

Curated Shopping!

Curated Shopping wird eine der Möglichkeiten sein, die kleine und mittlere Händler nutzen sollten, um sich Alleinstellungsmerkmale zu erarbeiten. Naturgemäß stehen den kleineren und mittleren Geschäften nicht die Ressourcen für große Investitionen zur Kundenbindung zur Verfügung. Daher wird es wichtig sein, sich mit persönlichem Einsatz, Service und Beratung einen Vorteil zu verschaffen.

AI und IoT werden für Überraschungen sorgen!

„Künstliche Intelligenz“ und „Das Internet der Dinge“ werden mit Sicherheit eine Menge an neuen Möglichkeiten dieses Jahr hervorbringen. Ich bin mir sicher, dass sich hieraus große Einflüsse auf den Handel ergeben werden. Man denke nur an die Möglichkeiten, die einen jetzt schon Apples „Siri“ bietet. Und man muss nicht weit in die Zukunft schauen, wenn man sich die Möglichkeiten von Amazons „DASH-Button“ oder „Echo“ ausmalen möchte.

Daten, Datenschutz und Datensicherheit!

Das Hacken von Daten ist nicht mehr nur eine Randerscheinung, sondern ist nahezu allgegenwärtig. Mit wachsenden Online-Geldströmen steigt auch die Begehrlichkeit der Cyber-Kriminellen. Das heißt: Die Herausforderungen an Datensicherheit und Datenschutz wird auch in diesem Jahr weiter wachsen. Aber nicht nur die Kriminellen hätten gerne unsere Daten, sondern auch viele Unternehmen werden ihre Bemühungen, Daten zu speichern, noch steigern. Hier sind viele Fragen schlicht noch nicht beantwortet. Stichwort: „Geoblocking“. Der Datenschutz darf nicht so weit gehen, dass er Händler bei ihren Geschäften behindert oder gar ganze Gruppen ausschließt.

Das Einhornsterben!

Steht dem Markt auch 2016 noch so unglaublich viel Risikokapital zur Verfügung? Ich glaube nein und bin der Meinung, dass es zu einer Konsolidierung kommen wird. Das bedeutet: Start-ups werden mit weniger Budget auskommen müssen und die Champagne-Szene in Berlin wird deutlich schrumpfen. Ich begrüße diese Entwicklung, denn ordentliches Wirtschaften mit Geld sollte immer Basis einer Unternehmung sein.

Mobil, mobil und noch einmal mobil!

Gerade bei kleineren und mittleren Händlern besteht noch ein erheblicher Nachholbedarf, ihre Angebote mobil-optimiert darzustellen. Es ist nicht erst 5 vor, sondern bereits 5 nach 12. Die Händler müssen sich richtig sputen, damit sie den Anschluss nicht verpassen.

Kanal denken, was ist das? Connected Commerce!

Das eigentlich nur in den Köpfen der E-Commerce-Szene verhaftete Kanaldenken, wird sich auflösen und Händler und Dienstleister werden lernen müssen, die Angebote durch die Kundenbrille zu sehen. Der Kunde hat noch nie einen Unterschied zwischen online, mobil oder lokal gemacht. Diese Sichtweise sollte nun auch in unserer Branche ankommen. Sowohl Dienstleistungen wie auch Händler sollten ihr Handeln danach ausrichten.

Lokal präsent zu sein ist wichtig!

Gibt es ein Revival der Innenstädte? Ich denke ja. Meines Erachtens ist das größte Problem lokaler Händler die Auffindbarkeit ihrer Angebote im Netz. Das muss gelöst werden. Ansätze wie Online-City Wuppertal oder eBay Mönchengladbach werden viele Erkenntnisse liefern aus denen gelernt werden kann, soll und muss. Das Geschäft in Innenstadtlage muss als Lager gesehen werden. Als größte Schwierigkeit sehe ich aber dabei die Entwicklung der Mietpreise.

Marktplätze werden für Bewegung sorgen: Amazon, Rakuten und Alibaba werden uns in Trab halten!

Von den großen Marktplätzen Amazon, Rakuten und Alibaba, erwarte ich 2016 einige fette Überraschungen. Ich finde es wichtig, dass sich bisweilen nur in Deutschland tätige Onlinehändler dringend auf ein internationales Geschäft vorbereiten.

Eigenmarken: Marke, Marke und noch mal Marke!

Die Eigenmarke wird auf manchen Marktplätzen in 2016 das einzige Alleinstellungsmerkmal gegenüber Wettbewerbern sein. Umso wichtiger ist es, mit eigenen Produkten den Weg in die Eigenmarke zu finden. Dazu gehört nicht nur die Registrierung der Marke, sondern auch ein ausgefeiltes Markenmanagement.

Auch die Software, die den Händlern zur Verfügung gestellt wird, muss sich ändern!

Leider ist es ja oft so, dass fehlende Softwarelösungen eine echte Innovationsbremse sind. Ich denke das wird besonders in 2016 deutlich werden. Mir sind nur wenige Dienstleister bekannt, die sich bereits ausreichend mit ihrer Software auf die Bedürfnisse der Händler ausrichten.

Fazit:

Zu erkennen, was 2016 relevant wird und was tatsächlich passiert, ist wie der Blick in eine Glaskugel. Nicht sicher und es kann eigentlich auch ganz anders kommen.

Im Zweifel halte ich mich da an das Kölsche Grundgesetz. Artikel 1 und 2:

„Et kütt wie et kütt.“ und „Et hätt noch emmer joot jejange.“

Ich persönlich finde die Entwicklungen von Amazon, Rakuten und Alibaba am spannendsten. Gerade Alibaba, größer als Amazon, hat nahezu unerschöpfliche Möglichkeiten. Und dann ist ja auch noch eBay da! Ich bin sehr neugierig wie eBay sich in diesem Spannungsfeld entwickeln wird.