von Peter Höschl, shopanbieter.de

eBays Kampf gegen Amazon schien für manche verloren. Doch das Blatt könnte sich wenden, bzw. war nie so, meinen einige Marktplatz-Experten.

In den vergangenen Jahren hat eBay ordentlich auf die Mütze bekommen, bzw. musste scheinbar tatenlos zusehen, wie Amazon mit neuen Innovationen scheinbar immer müheloser davonzog. Die ganze Branche spricht scheinbar nur noch davon, wie man auf Amazon am erfolgreichsten verkaufen kann. Oder was man Amazons Dominanz entgegensetzen kann. Sogar auf der letztwöchigen Neocom 2016 gab es kaum einen Vortrag, der sich nicht mit Amazon beschäftigte.

Selbst schuld, meinen einige. Schließlich hieß es bei eBay jahrelang nur: „Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln“. Mal waren sie Flohmarkt, dann wollten sie gewerblichen Verkäufern und Marken eine professionelle Plattform bieten, nur um etwas später wieder den Flohmarkt-Charakter zu betonen. Alles was angepackt wurde schien nur halbherzig oder gar nicht zu Ende gebracht zu werden. Und die Liste der Punkte auf der Unzufriedenheits-Skala von eBay-Händlern schien ständig länger zu werden.

Soweit zumindest die Außenwahrnehmung. Das ist ja aber immer so eine Sache. Insgesamt konnte man aber durchaus den Eindruck gewinnen, dass sich Amazons volle Konzentration auf den Kunden in überdurchschnittlich hohe Wachstumszahlen auszahlt, während sich eBay selbstzufrieden vor allem mit sich selbst beschäftigt. Als mache Amazon alles richtig und eBay alles falsch.

Die letzten Tage und Wochen lassen nun jedoch auch den Außenstehenden aufhorchen. Einerseits kündigt eBay selbst einige Neuerungen an, die in die richtige Richtung zu mehr Kundenkonzentration und Händlerunterstützung gehen. Andererseits springen einige Marktplatz-Experten dem Marktplatz-Pionier verbal massiv zur Seite.

eBays Weg zu mehr Kundennutzen und Händlerunterstützung

Bereits vor drei Monaten wurde bekannt, dass eBay mit seinem Top Pick ein Pendant zu Amazons Buy Box startet. Einhergehend mit der Ankündigung die Strukturierung seiner Produktdaten zu verbessern. Zumindest Zweiteres ist ein wichtiger Schritt zu mehr Kundennutzen. Auch wenn Händler damals monierten, dies führe nur dazu, dass eBay zur Amazon-Kopie verkomme, darf man Eines nicht vergessen: Alles was Umsatz bringt, ist schön. Für das Einkaufserlebnis der Kunden sind strukturierte Daten nun mal wichtig. Immerhin geht eBay ja einen etwas anderen Weg bei der Darstellung, wie nun bekannt wurde.

So bietet eBay dem Besucher verschiedene Einstiegsmöglichkeiten in ihre Produktwelt, siehe auch das Beispiel https://www.ebay.de/sch/Nikon-Digitalkameras/31388/bn_1383/i.html. EBay möchte nämlich erkannt haben, dass Konsumenten nicht ausschließlich nach den günstigsten Preisen suchen, sondern auch andere Kriterien bei der Produktsuche haben. Dies würde ich an dieser Stelle mal so unterschreiben.

Gleichzeitig erlauben es strukturierte Daten, eBay passgenauere Marketing-Maßnahmen und die Möglichkeiten zum Cross- und Upselling zu verbessern. Außerdem hat eBay vor einigen Wochen damit begonnen, Produktbewertungen einzuführen. Auch dies ein wichtiger Punkt zu mehr Kundennutzen, sind diese doch ein wichtiger Anhaltspunkt zur Kaufentscheidung. Heute gibt es bereits mehr als 500.000 Produktbewertungen auf dem deutschen eBay-Marktplatz. Auch hier werden Kritiker bemängeln, dass dies nur von Amazon abgekupfert sei. Aber lieber gut kopiert als schlecht selbst gemacht.

Bereits seit Längerem gibt es das Treueprogramm eBay Plus (vgl. Amazon Prime). Hier können Käufer u.a. für alle eBay Plus-Artikel kostenlosen und besonders schnellen Versand sowie kostenlosen Rückversand in Anspruch nehmen. Laut eBay nehmen bereits 185.000 Käufer am Programm teil. Hier bin ich jedoch gespannt, ob sie Amazons riesigen Vorsprung mit derem Prime now-Programm auch nur annähernd einholen werden können.

Experten brechen Lanzen für eBay

Interessant waren die letzten Tage aber auch, weil gleich drei namhafte Marktplatz-Experten, bzw. Händler, eine Lanze für eBay brachen. Da wäre zum einen Marion von Kuczkowski, seit 1999 eBay-Verkäuferin und eine der ersten deutschen Powerseller und seinerzeit Mitglied der eBay Elite (Top-500-Seller weltweit). In einer Kolumne für die aktuelle Ausgabe des Onlinehändler-Magazins beschreibt sie, welche Vorteile eBay Händlern im Vergleich zu Amazon biete und skizziert zugleich die Gefahr bei Amazon, von asiatischen Händlern überrollt zu werden. Diese können sich bei Amazon ins gemachte Nest setzen, müssten sich nicht um Steuern, deutsche Rechtsprechung oder Übersetzung etc. kümmern. Amazon übernähme den Versand und Kundenservice für sie. Folgedessen könnten diese asiatische Händler ihren deutschen Wettbewerb preislich stets unterbieten und würden bei Amazon daher immer den Vorrang bekommen.

Bei eBay muss man dagegen nicht der billigste sein – es reicht, wenn man der Beste ist. – Marion von Kuczkowski

Auch Michael Atug, Geschäftsführer der MAW Werkzeuge GmbH und bekannter Marktplatz-Händler, warnte vergangenen Samstag, in seinem Vortrag beim Plentymarkets Multi-Channel-Day, seine Händlerkollegen eindringlich davor, eBay zu vernachlässigen.

Während es bei Händlern und Medien scheinbar gerade modern sei, nur noch vom erfolgreichen Verkauf bei Amazon zu sprechen, mache er nach wie vor hervorragenden Umsatz mit seinen eBay-Accounts in den verschiedenen Ländern.

Kurze Anmerkung am Rande: Dies mag aber auch daran liegen, dass eBay es seinen Verkäufern durch ständige Änderungen der Rahmenbedingungen auch manchmal schwer machte zu verkaufen. Anders als etwa Amazon. Hier haben Händler weniger Freiheiten und Möglichkeiten. Mit allen Vor- und Nachteilen. Dies bringt mich wieder zu meiner kürzlichen Aussage dass Marktplätze nur erfolgreich sind, wenn diese kontrollierend und regulierend steuern und notfalls eingreifen.

Das meistbeachteste Plädoyer für eBay hielt jedoch sicherlich Mark Steier, Betreiber von wortfilter.de, u.a. in seinem Podcast-Interview mit Kassenzone. Meines Erachtens ein Muss für jeden Marktbegleiter. Mit seinen Aussagen verblüffte er nicht nur den bekennenden Amazon-Fan Alexander Graf.

Er verwies unter anderem darauf, dass eBay mit 1 Milliarde Artikel weltweit (140 Millionen in Deutschland) deutlich mehr mehr Produkte als Amazon im Angebot habe. Weiterhin, dass eBay mehr Umsatz für seine Händler als Amazon (nach Abzug deren Eigengschäfts) erwirtschafte. Das würde ich aber sicherheitshalber gerne noch einmal nachrechnen. Zumindest hatte Mark im Podcast einen Rechenfehler drin. Müsste ich aber nochmal nachhören.

In einem Kommentar zum Podcast verweist er auch darauf, dass Deutschlands erfolgreichster eBay-Händler über 100 Mio. € Umsatz über deren Marktplätze erziele.

Und, genau wie ich, traut er eBay anhand der aktuellen Entwicklungen zu, in nächster Zeit deutliche Sprünge nach vorne zu. Wobei er eBay auch derzeit schon, wie erwähnt, für deutlich unterschätzt hält. Aber hört am besten selbst rein. Es lohnt sich.

Einschätzung: EBay wird derzeit zu Unrecht von den Händlern unterschätzt und dürfte in den nächsten Monaten nochmal einen deutlichen Sprung nach vorne machen. Vorläufig wird aber Amazon nach wie vor das innovativste Unternehmen im E-Commerce bleiben. Dafür sind sie einfach zu schnell, pragmatisch in der Handlungsweise und mutig genug einfach mal etwas auszuprobieren.

(Zuerst erschienen auf shopanbieter.de)