2 anstrengende Wochen sind nun zu Ende. Zuerst gab es 2 Tage JTL mit der JTL Pre-Connect & der JTL Connect. Eine Woche später startete der großartige Tag des Onlinehandels vom Bundesverband Onlinehandel e. V.. Zeit, einmal die beiden Veranstaltungen kritisch unter die Lupe zu nehmen.

JTL Pre-Connect & Connect

Die JTL Pre-Connect war eine reine Netzwerkveranstaltung. Sie fand, wie die JTL Connect, in Düsseldorf statt. Circa 200 Besucher, Händler und Aussteller hatten an diesem Abend ihren Spaß. Da ich mich ja dieses Jahr bei einigen Veranstaltungen etwas zurückgehalten habe, war es großartig, einmal wieder die bekannten Gesichter zu sehen. Es wurde viel gelästert und einige Teilnehmer kommentierten die Geschehnisse und das Verhalten der beteiligten Akteure in den kleineren Facebook-Gruppen. Dazu meine Meinung: Ich halte mich da raus. Was den Händlern weder nutzt noch schadet, interessiert mich auch nicht. An solch einem Kindergarten möchte ich mich nicht beteiligen. Das können, sollen und müssen die Beteiligten unter sich ausmachen.

(Bernhard Weiß, Mitglied der Geschäftsführung plentymarkets; ich; Thomas Lisson, JTL)

Wichtig und wertvoll waren für mich marktplatzrelevanten Themen, wie z. B. das JTL Fulfillment Network, kurz JTL FFN. Der Start steht kurz bevor und das finde ich spannend. Bietet es doch gerade den ganzen Amazon-Star-ups eine Chance, auch andere Marktplätze zu bespielen. Großartig finde ich auch die Aktivitäten die Jens Linder und Ralf Hermann rund um das Sourcing planen.

JTL Connect & der BVOH-Stand

Bis auf ein paar kurze Rundgänge in der Halle war ich am Stand des BVOH ‚verhaftet‘. Die Stände waren gut besucht. Eine lange Schlange gab’s am JTL-Packtisch-Stand. Wahnsinn! Mit 1.500 Besuchern war die Messe voll. Amazon Pay und auch eBay waren mit einem eigenen Stand präsent. Auf dem BVOH-Stand war viel los. Michael Gross von baygraph.de war ein gefragter Mann und Antonio Legato und Jan Henningsen, beide Mitglieder der Frankfurter Gruppe und dem BVOH, hatten viele Gesprächspartner. Ich durfte das eine oder andere eBay-Listing kommentieren.

(BVOH e.V.-Stand auf der JTL Connect)

Leider habe ich wenig von den großartigen Vorträgen und der Keynote von Thomas Lisson, CEO von JTL, mitbekommen.

Aber ich konnte viele Stimmen einfangen. Unisono waren alle von der Veranstaltung begeistert. Lediglich das Catering wurde kritisiert. Aber da es auf der Afterparty Kölsch gab, war für mich alles prima. Qualität setzt sich auch in Düsseldorf durch.

(Arne Theisen von JTL hatte sich beim Checki-n im Hotel noch einen besonderen Gag für mich einfallen lassen)

Der Tag des Onlinehandels am 31. August

Für mich persönlich war das die beste Veranstaltung des Jahres. Das mag daran liegen, dass ich viele alte Kollegen wieder traf, oder auch nur daran, dass die Teilnehmerzahl optimal war. Subjektiv konnte ich am meisten mitnehmen. Gut 500 Teilnehmer waren vor Ort. Die Location war gut gewählt und das politische Frühstück spannend. Es zeigte, vor welchen großen Herausforderungen die teilnehmenden Politiker noch stehen, um den Onlinehandel und die voranschreitende Digitalisierung zu begreifen. Der BVOH wertet in seiner Pressemitteilung die Bekenntnisse der an der Diskussionsrunde teilnehmenden Politiker positiv:

BVOH-Podiumsdiskussion: Klares Bekenntnis der Parteien zu Mittelstand und Wettbewerb im Onlinehandel

BVOH-Präsident Prothmann diskutierte mit Bundestagskandidaten anlässlich des „Tag des Onlinehandels“ in Berlin

Auf dem Tag des Onlinehandels diskutierten die Bundestagskandidaten Thomas Heilmann (CDU), Daniela Kluckert (FDP) und Lisa Paus, MdB (Bündnis 90/Die Grünen) mit Oliver Prothmann, Präsident des Bundesverband Onlinehandel e. V. (BVOH).

Alle Parteien unterstützen den Digitalen Wandel und sehen in ihm ein großes Potenzial für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft. Problematisch sei noch die Umsetzung. Der Staat ist strukturbedingt noch zu langsam. Die Einführung von E-Government muss deutlich agiler werden, vor allem durch die Beteiligung der Privatwirtschaft im Wettbewerb. Momentan dauert die Umsetzung noch mehrere Jahre, so dass erarbeitete Lösungen bei ihrer Einführung schon veraltet sind.

Gerade durch den Ausbau des E-Governments erhofft sich die Politik eine beträchtliche Entbürokratisierung sodass vor allem kleine und mittlere Unternehmen (KMU) von Ballast befreit werden. Wichtig sei etwa das Once-only-Prinzip. Eine Meldung bei einer Behörde muss für alle administrativen Vorgange ausreichen. Auch klagen KMU über überbordende Verbraucherschutzvorschriften, die selbst von den Verbraucherinnen und Verbrauchern oft nicht verstanden werden. Weniger scheint hier oft mehr zu sein.

Regulierungen sind aber da sinnvoll wo sie unlauteren Wettbewerb verhindern. Allerdings gibt es häufig Vollzugsdefizite. So sollte das Bundeskartellamt zukünftig einen stärkeren Fokus auf vertikale Wettbewerbsbeschränkungen legen können. Denn diese sind es, die denn mittelständischen Onlinehandel stark ausbremsen. „Wir wollen, dass sich der Onlinehandel positiv entwickelt, dazu bedarf es klarer Wettbewerbsstandards. Das Kartellrecht muss verändert werden, so dass große Konzerne entflochten werden können. Das Kartellamt soll auch verstärkt auf die Marktmacht der vertikalen Integration schauen. Wichtig ist eine allgemeine Entbürokratisierung sowie eine unbürokratische Hilfe bei Existenzgründungen. Dabei darf der Verbraucherschutz nicht zu kurz kommen, muss hohe Standards haben“, sagt Lisa Paus MdB (Bündnis90/Grüne).

„In einem digitalen Binnenmarkt darf es nicht nur Chancen für die Digitalriesen geben,“ sagt BVOH-Präsident Oliver Prothmann. Nach wie vor gehen Vertriebsverbote von namhaften Herstellern und Markeninhabern aus. Allein in Deutschland leiden Händler unter einem Umsatzverlust von mehr als 20 Prozent pro Jahr. In anderen europäischen Ländern ist die Quote sogar noch höher: UK 25 Prozent, Frankreich 26 Prozent und Italien 29 Prozent. Spitzenreiter in allen Umfragen zu Vertriebsbeschränkungen ist der US-Sportartikelhersteller Nike. „Die kommende Regierung muss eine klare Aussage zu der Vielfalt im Handel und insbesondere dem „Wir müssen mit dem Wettbewerbsrecht den kleinen Onlinehändlern faire Marktchancen sichern. Dafür müssen wir die großen Online-Portale regulieren“, sagt Thomas Heilmann (CDU).

„Beschränkungen im Onlinehandel sind kein Kavaliersdelikt“ lautet das Credo des BVOH. Der BVOH fordert die Politik auf, die Existenzen der kleinen Händler endlich besser zu schützen und den Machenschaften von Herstellern einen Riegel vorzuschieben“, sagt Oliver Prothmann. Dazu werde eine digitale Infrastruktur beim Zugang zu Internet und Behörden gebraucht. „Der Onlinehandel muss gestärkt werden. Wir stärken ihn durch Bürokratieabbau und den Ausbau des europäischen Binnenmarkts. Und nicht zuletzt muss es für Unternehmen einfacher werden im Onlinehandel Investitionen zu tätigen“, sagt Daniela Kluckert (FDP).

Kontrovers diskutierten die Teilnehmer über die Lösung des Umsatzsteuerproblems im Onlinehandel. Onlinehändler außerhalb der EU führen häufig keine Umsatzsteuer obwohl die Lieferungen über dem Schwellenwert liegen. Umstritten ist, wer stärker in die Verantwortung muss: Zoll, Plattformbetreiber oder Paymentdienstleister. Der BVOH spricht sich vehement dafür aus, dass die klassischen Regulatorien zur Anwendung kommen und nicht die Plattform zur Verantwortung gezogen werden.

Dieser Meinung schließe ich mich nicht an. Ich nahm deutliche Wissenslücken und fehlendes Verständnis der Politiker zu den Themen Digitalisierung und Onlinehandel wahr. Zwar waren sich alle Teilnehmer einig, dass sich einiges vereinfachen muss, aber eine gangbare Lösung wurde nicht präsentiert.

Die Vorträge

Ich habe mit vielen Speakern gesprochen und mit noch mehr Zuhörern. Da gab es eine ganz klare Meinung: Die Vorträge waren voll, teilweise übervoll, und die Besucher bewerteten sie als äußerst nützlich.

Michael Groß von baygraph.de und ich haben einen Vortrag über eBay SEO und die Funktionsweise der Cassini gehalten. Später am Nachmittag gab es dann noch einen kleinen Workshop. Aber auch Michael Gabrielides, Gil Lang, Rechtsanwältin Heidi Kneller-Gronen oder Marion von Kuczkowski rockten mit ihren Inhalten.

Die Expertentische waren teilweise sehr gut besucht. Händler konnten hier ihre Fragen loswerden und sie erhielten individuelle Beratung.

eBay-Vorträge & -Workshops

(eBay-Workshop auf dem tdoh)

Da reichte oft die Raumgröße nicht aus. Es wurde offen und konstruktiv diskutiert und vorgetragen. Ich selbst besuchte einen Workshop zum Platinshop-Modell.

Das Drumherum

Das war für mich persönlich eigentlich das Wertvollste. Viele Händler waren wegen der Präsenz von eBay gekommen, um z. B. die eine oder andere Herausforderung zu klären. Der Marktplatz war mit großartigem und kompetentem Personal vor Ort. Daher hörte ich nicht nur einmal das Feedback, dass die Anliegen geklärt werden konnten. Das fand ich großartig.

(Rechts: Denis Burger, ebay.de)

Aber auch die Händler- und Dienstleistergespräche waren einzigartig. Ich habe mich großartig mit Basti Mell von Karton+ unterhalten und wertvolle Gespräche mit Jan Griesel und Bernhard Weiß von Plentymarkets geführt.

taxdoo

(Workshop mit Roger Gothmann zum Thema Lieferschwellen)

Was hat den Tag eigentlich so wertvoll gemacht? Ich glaube es war die Auswahl der Speaker, der Themen und die anwesenden Händler. Eine tolle Mischung aus Profis und Beginner. Das war irgendwie wie ein Klassentreffen für mich. Auf keiner Veranstaltung treffe ich so viele Händler aus meiner aktiven Zeit.

Es war ein großartiger Tag. In meinen Augen die beste Veranstaltung dieses Jahres. So viel Inhalte gab es noch nirgendwo. Ich freue mich schon auf’s nächste Mal.

Ein Hinweis

Oliver Prothmann, Präsident des BVOH, hat den Tag des Onlinehändlers ehrenamtlich auf die Beine gestellt. Wer einmal eine Veranstaltung geplant hat, weiß was das an Arbeitskraft und Einsatz kostet. Dafür möchte ich mich bei Oliver bedanken. Entgegen der meisten anderen Konferenzen, Tage und Messen steht hier kein finanzielles Interesse im Vordergrund. Das möchte ich nicht unerwähnt lassen. Danke.