Die Subunternehmerskandale von eBay und Amazon

In letzter Zeit wurden von eBay und Amazon beauftragte Subunternehmen in Skandale verwickelt.

Zunächst traf es eBay: Ein unter dem Pseudonym Pascal Schuster schreibender Ex-Mitarbeiter des für eBay tätigen Dienstleisters Competence Call Center AG (CCC) veröffentlichte bei Sellerforum.de einen Beitrag, indem er dem Dienstleister niedrige Löhne, Behinderungen der Betriebsratsarbeit und zwei Datenschutz-Probleme vorwarf.

Niedrige Löhne? Dem Vernehmen nach bekommen die Mitarbeiter der Competence Call Center AG 8,50 Euro pro Stunde. Für Hilfskräfte ohne Ausbildung gar nicht mal so schlecht, finde ich. Vor allem im Vergleich zu Frisör-Gesellen: Die verdienen in Ostdeutschland durchschnittlich nur um die 5 Euro pro Stunde.

Behinderungen der Betriebsratsarbeit? Das wird vom Unternehmen und von eBay bestritten und läßt sich von außen schwer verifizieren. Aber auch wenn das stimmen sollte: Dieser Vorwurf trifft sehr viele Unternehmen, ein besonderer Skandal ist das eher nicht.

Die Mitarbeiter des Call-Centers lesen eBay-Mails. Das bestreitet niemand - und dürfte doch wohl auch niemanden wundern: Deswegen hat eBay doch überhaupt nur ein eigenes Mailsystem eingeführt. Nach eBay-Angaben sollen damit Betrugsversuche erkannt werden. Das ist wohl kaum der einzige Grund, aber ist das wirklich ein Skandal?

Angreifer können sich angeblich den Zugriff auf eBay-Accounts erschleichen, indem sie sich bei Callcenter-Mitarbeitern mit Name, Mailadresse, Postadresse, Telefonnummer und den letzten vier Ziffern der Bankverbindung autorisieren – alles Daten, die ein Angreifer schnell herausfinden könne. Dazu sagte eBay-Pressesprecherin Maike Fuest, eBay würde zwischen zwei "Arten der Verifizierung" unterscheiden und mit solch einer weichen Verifizierung nur Zugriff auf "keinerlei sensible Daten eines Mitgliedskontos" gewähren. Die "harte" Verifizierung sei "wesentlich weitergehender" und würde Fragen umfassen, die "tatsächlich nur der Inhaber" des Nutzerkontos wissen könne.

Letzte Woche war dann Amazon dran: In der ARD lief ein Bericht mit dem reißerischen Titel Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon.

Auch hier war der Hauptvorwurf, Amazon würde zu schlecht bezahlen: Amazon hatte über eine Zeitarbeitsfirma Aushilfen aus Spanien für das Weihnachtsgeschäft engagiert. Die bekamen pro Stunde 8,56 Euro plus Unterbringung plus zwei Mahlzeiten täglich plus einen kostenlosen Shuttle-Service zu Amazon und zu Einkaufsmöglichkeiten. Offenbar war die Unterbringung nicht allzu luxuriös und ziemlich beengt. Außerdem hatte die Zeitarbeitsfirma einen ziemlich dubiosen Sicherheitsdienst engagiert, dem im TV-Bericht Kontakte zu Rechtsradikalen nachgesagt werdeen.

Amazon distanzierte sich von dem Sicherheitsdienst und kündigte dann auch noch der Zeitarbeitsfirma. Dazu heißt es bei Amazon:

Amazon nimmt die Vorwürfe bezüglich der Situation im Seepark Ost während der Weihnachtszeit sehr ernst.

Amazon ist verantwortlich dafür, dass alle Beschäftigten unserer Logistikzentren jederzeit sicher sind und mit Respekt und Würde behandelt werden. Es ist uns eindeutig nicht gelungen, die Einhaltung unserer hohen Standards auch durch den Dienstleister, der für Unterbringung, Transport und den Einsatz der Sicherheitskräfte bei unseren Zeitarbeitskräften verantwortlich war, zu gewährleisten. Aus diesem Grund beenden wir unsere Zusammenarbeit mit diesem Unternehmen. Den Einsatz des kritisierten Sicherheitsdienstes hatten wir bereits beendet.

Weitere Informationen zu Amazons Logistikzentren einschließlich Löhnen finden Sie unter www.amazon.de/logistikzentren.

Die Löhne bei Amazon halte ich für nicht zu niedrig: Direkt bei Amazon angestellte Aushilfen bekommen im ersten Jahr 9,30 Euro, nach einem Jahr über 10 Euro. Die über die Zeitarbeitsfirma beschäftigten Aushilfen bekamen zwar nur 8,56 Euro, dazu kamen aber noch Kost und Logis.

Ich bezweifle, dass bei Amazon jemand etwas von den angeblichen rechtsradikalen Kontakten des von der Zeitarbeitsfirma engagierten Sicherheitsdienstes wusste. Jedenfalls hat Amazon durchgegriffen und der Zeitarbeitsfirma gekündigt.

Die beiden oben geschilderten "Skandale" halte ich für nicht sonderlich skandalös. Da finde ich andere Fakten schlimmer: Z.B. die Tatsache, dass eBays Tochterunternehmen PayPal bis heute keine Rechnungen ausstellt, obwohl das bereits für 2009 versprochen war. Oder dass Amazon beim Verkauf von E-Books keine Rechnungen ausstellt. Oder dass eBay versucht hat, ein rechtswidriges Zahlungsverfahren einzuführen. Oder dass Amazon seinen Verkäufern kartellrechtlich bedenkliche Vorschriften macht. Oder dass PayPal und Amazon öfter unter fadenscheinigen Begründungen Gelder ihrer Verkäufer einbehalten. Die Liste ließe sich noch fortsetzen...

Update 20.02.2013: Ex-Amazon-Zeitarbeiterin wirft ARD-Reportern Verfälschung vor

Skandal


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Axel Gronen aXel Gronen
19.02.2013
(Letztes Update: 20.02.2013)
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