Die Handelsexpertin der DIHK Dr. Ulrike Regele warnt ausdrücklich vor dem Kauf ausländischer Produkte aus dem Internet. Und das aus gutem und nachvollziehbarem Grund. Viele der aus Drittländern stammenden Artikel sind schlicht gefährlich. Denn die Artikel entsprechen nicht den deutschen und europäischen Sicherheitsanforderungen.

DIHK warnt vor unsicheren Produkten aus Drittstaaten

Der Erhebung zufolge rechneten 87 Prozent der Einzelhandelsunternehmen im Herbst 2017 mit besseren oder gleichbleibenden Geschäften, 2016 seien es noch 84 Prozent gewesen.

Als Wermutstropfen bewertete Dr. Regele jedoch die Zunahme von Produktverkäufen durch sogenannte Drittstaatenhändler: „Vorwiegend aus dem asiatischen Raum werden Waren direkt oder über europäische Logistik-Zentren (Fulfillment-Center) ohne Umweg an Endverbraucher in der EU verkauft“, berichtete Regele. „Eigentlich wäre dagegen nichts einzuwenden, aber viele der eingeführten Produkte entsprechen nicht den europäischen Sicherheitsanforderungen.“

Das zeigten auch Zahlen der Bundesnetzagentur: „2016 wurden über 10.000 verdächtige Warensendungen gemeldet – eine Verdopplung seit 2013 – davon erhielten 88 Prozent keine Freigabe für den europäischen Markt“, so die DIHK-Handelsexpertin.

„Und das ist nur die Spitze des Eisberges.“ Denn viele Warensendungen würden erst gar nicht gemeldet – „[…] und Produkte, die aus Logistik-Zentren versandt werden, bekommt die Marktüberwachung überhaupt nicht zu Gesicht“.

Der deutsche Einzelhandel befindet sich also in einem unfairen Wettbewerb, kritisierte Regele: Während der nationale Händler prüfen müsse, ob Produktsicherheitsvorschriften eingehalten würden, falle das bei den außereuropäischen Händlern oft unter den Tisch. (Quelle: Pressemitteilung DIHK)

Verbraucher können kaum erkennen, woher die Ware kommt

Gerade die prominenten Marktplätze Amazon und eBay erschweren es den Verbrauchern, einfach zu erkennen, woher denn die Produkte stammen. in den meisten Fällen muss der Konsument erst umfangreich nach dem Impressum suchen, um herauszufinden, wer denn sein Produkt liefert.

Hier zwei sehr deutliche Beispiele. Besonders bemerkenswert ist, dass ein asiatischer Händler aus China versucht, seine Herkunft zu verschleiern. Noch nicht einmal ein Impressum oder eine Widerrufsbelehrung finden sich in seinem Angebot.

Einen Hinweis, woher der Händler tatsächlich stammt, erhaltet ihr nur durch Recherche, die ein Verbraucher nie machen würde, zumal der Händler ja auch erst einmal damit wirbt, dass er ein inländischer Verkäufer sei, worauf auch der Artikelstandort hindeutet.

Auffällig an diesem Angebot ist auch, dass sowhl die von eBay vorgegebenen Felder für das Impressum „Rechtliche Informationen des Verkäufers“ als auch die „Widerrufsbelehrung“ nicht eingeblendet sind.

Auch beim zweiten Beispiel ist der Artikelstandort mit „Bremen“ inländisch. Erst wenn der Verbraucher zum Ende der Artikeldetailseite scrollt, erkennt er, dass er bei einem chinesischen Anbieter die Ware kaufen möchte.

Und wie ist das nun bei Amazon?

Auch auf Amazon ist es so, dass Verbraucher nicht einfach erkennen können, bei wem sie das Produkt erwerben. Tatsächlich ist auf dieser Plattform noch ein Zusatz-Klick nötig, um herauszufinden, wer denn der Anbieter ist.

(Quelle: Amazon Produktseite [Affiliate Link])

Die Marktplätze gefährden die Verbraucher

Eine Untersuchung des Mediums Heise aus dem Jahr 2015 hat ergeben, dass 100% der von der Redaktion geprüften Produkte nicht den europäischen und deutschen gesetzlichen Anforderungen entsprechen. Das wissen auch die Marktplätze. Trotzdem lassen sie nicht nur den Handel mit illegalen Produkten zu, sondern fördern das auch noch kräftig, indem sie z. B. Händler in den Drittländern aktiv dazu animieren, ihre Produkte auch auf den europäischen Marktplätzen anzubieten.

Melden Händler gefährliche Produkte, verlaufen sich solche Meldungen bei Ebay und Amazon in der Regel im Sand. Selbst Anzeigen durch Rechtsanwälte werden meistens durch höfliche Ignoranz und Untätigkeit wertgeschätzt.

Die Marktplatzbetreiber bauen darauf, dass sie eh niemand in Haftung nehmen wird, obwohl das aber möglich wäre: Stichwort ‚Störerhaftung‘.

Erst dann, wenn Akkus Wohnungen abfackeln oder Hoverboards explodieren,  reagieren die Plattforbetreiber. Das ist aber viel zu spät.

Fazit: Die Marktplätze nehmen bewusst in Kauf, dass gefährliche Produkte durch diese Händler an den Verbraucher ausgeliefert werden.

Kein fairer Handel mehr möglich

Nicht nur, dass die deutschen Händler in den Popo gekniffen sind, weil die meisten Drittland-Anbieter eine ausländische Rücksende-Adresse angeben und somit kaum ein Verbraucher Ware retouniert und die Verkäufer damit auch keine Retouren-Kosten haben: Es fallen bei den Drittlandhändlern jegliche Konformitätskosten wie z. B. Registrierungen, Prüfungen oder Begutachtungen weg.

Diese unfairen Handelsvorteile kann man auch messen. Sie liegen sehr konservativ geschätzt bei circa 35-45%.

Fazit: Unter diesen Umständen ist ein fairer Handel nicht mehr möglich.

Wer sollte was tun?

Und jetzt kommt wieder die alte Leier von den Verbänden, den Marktplätzen und der Politik! Alle drei Parteien glänzen vortrefflich mit Unwissenheit, Desinteresse, Untätigkeit oder Ignoranz. Wie schade.

Muss denn erst ein Weihnachtsbaum abfackeln, bis die Damen und Herren wach werden?

Da wäre aber noch etwas: ich würde mich unglaublich freuen, wenn die großen Leitmedien sich dieser Herausforderung annehmen könnten. Denn ich glaube, dass sobald diese Gefahren im öffentlichen Blickpunkt und ins Bewusstsein der Verbraucher geraten, wird sich sehr schnell etwas bewegen.

Fazit

Der Kauf von Artikel von drittländischen Anbietern bringt eine Menge an Gefahren mit sich. Verbraucher sollten daher zunächst aufmerksam prüfen, von wem sie die Ware erwerben. Es lohnt sich also die Mühe, die jeweilige Anbieterkennung, also das Impressum, des Verkäufers zu suchen.