Das war auch lange überfällig. Die News schlugen ein wie eine Bombe: eBay wickelt endlich die Zahlungen für die Händler ab. Dieser Ansatz kann die Händler entlasten. Er bringt auch Gefahren mit sich. Aber es ist überraschend, dass PayPal nicht der Partner ist. Bleibt PayPal jetzt außen vor? Nein, das nicht, aber der Paymentdienstleister wird es spüren.Was bedeutet diese Veränderung nun für alle?

Hatten wir so eine Ankündigung nicht schon einmal?

Von eBay war die „neue Zahlungsabwicklung“ 2013 angekündigt worden. Damaliger deutscher eBay CEO war Dirk Weber. Im Oktober versendete er an alle Händler eine Mail „[…] Vor diesem Hintergrund haben wir uns entschlossen, die Einführung der neuen Zahlungsabwicklung bis auf Weiteres zu verschieben […]“

Die Ende 2011 angekündigte Einführung einer neuen Zahlungsabwicklung sollte im Kern bereits das leisten, was nun erneut angekündigt wird. Verbraucher bezahlen direkt an eBay, Händler erhalten ihre Auszahlung vom Marktplatz.

Die damaligen Entwicklungen waren schon weit fortgeschritten. eBay selbst setzte zig Millionen in den Sand und auch Dienstleister versenkten die einen oder anderen Zehntausender. Ich, damals noch Händler mit eigener IT, war auch nicht begeistert. Hatte mich doch die Integration bereits knapp 12.000€ gekostet.

Und die Händler inklusive meines Blog-Vorgängers feierten das Scheitern ab. Schon damals fand ich allerdings eBays Idee sehr gut und bedauerte sehr, dass die ‚hellen Köpfe‘ in 3L das Projekt so großartig verkackt haben.

In ihrer Selbstherrlichkeit hörten eBayianer nicht auf die Hinweise, die sie z.B. von den Händlern der Frankfurter Gruppe bekamen: „Ihr braucht eine Bankenlizenz“ war einer der wichtigen Tipps, der nicht beachtet wurde.

Und da Machen, Scheitern und Weitermachen so überhaupt nicht eBays Ding ist, wurde das Projekt dann eingestampft. Und mich ärgert das immer noch, wie unfassbar beeindruckend schlecht ein Unternehmen arbeiten kann.

Ältere Händler sehen daher der jetzigen Ankündigung auch recht locker entgegen und haben nicht wenig Spott für das geplante Unterfangen übrig. Ich kann es verstehen.

Wer etwas in der Vergangenheit schwelgen möchte, der kann sich die Zusammenfassgungen von Internetrecht Rostock gerne einmal durchlesen.

Und wo ist jetzt der Unterschied zur vergangenen Ankündigung?

eBay macht es jetzt nicht selbst. Und auch die technische und funktionelle Umsetzung differiert. Im Kern ist der Ansatz jedoch derselbe. Der damalige Ansatz war, dass den Händlern ein Nummernkreis der JP Morgan Bank zur Verfügung gestellt werden sollte. Das wird jetzt nicht mehr nötig sein. Hier wird die Technik von Adyen eingesetzt werden.

Was macht Ayden überhaupt?

Im Jahr 2006 bewegte sich die Payment-Branche auf ausgefahrenen Gleisen: Zwischen veralteten Systemen und Patchwork-Anbietern sah eine Gruppe von Branchenexperten eine neue Geschäftsmöglichkeit und entwickelte eine innovative Technologie, die es ermöglicht, den stets wandelnden Anforderungen expandierender globaler Unternehmen auf effektive Weise zu begegnen.

Als Zeichen des Neubeginns gab das Team dem Unternehmen den Namen Adyen, was auf Sranan, einer in Surinam gesprochenen Kreolsprache, so viel wie „von vorne beginnen“ bedeutet. Das Ziel lag in der Entwicklung einer reibungslosen, hochmodernen und mit führenden globalen Kartensystem- und Zahlungsmethoden integrierbaren Infrastruktur. So erhielten Unternehmen die Möglichkeit, über ein einheitliches System sowohl online als auch am Point-of-Sale Zahlungen entgegenzunehmen und den eigenen Umsatz zu steigern.

Im Laufe der folgenden Jahre widmeten wir uns dem Ausbau und der Verbesserung unserer Kerntechnologie. Immer mehr Unternehmen wurden auf die Vorteile einer Zusammenarbeit mit einem einzigen Partner und einer Zahlungsabwicklung über eine einheitliche Plattform aufmerksam. 2009 gewannen wir mit Groupon unseren ersten großen globalen Kunden. 2013 betrug der Wert der insgesamt über die Adyen-Plattform abgewickelten Transaktionen $14 Milliarden, 2014 waren es bereits $25 Milliarden und 2015 ganze $50 Milliarden – und der Trend zeigt weiter nach oben. (Quelle: Adyen.com)

Ayden ist ein Zahlungsdienstleister. Auf der Verbraucherseite stellt ihr unterschiedliche Zahlungsweisen zur Verfügung. Kunden haben einen einzigen Check-Out. Und auf der Händlerseite kümmert er sich um eine zentrale Auszahlung.

(Quelle: https://www.adyen.com/payment-methods)

Hinzu kommen noch weitere Services wie Risiko-Management oder Barzahlung-Funktionen oder aber Globales Acquiring.

Was bedeutet das für Händler?

Faktisch können sich die Händler mit einem System àla Amazon Pay anfreunden. eBay wird euch das Geld in gleicher Art und Weise auszahlen, wie es auch PayPal derzeit macht. Die Unterschiede sind marginal. Direktzahlungen durch Kunden auf euer eigenes Bankkonto werden nicht mehr möglich sein. Das erspart euch die lästige Zahlungszuordnung. Durch eine Vollintegration ist ein gutes Reporting zu erwarten (wäre theoretisch möglich…).

Ist das nun gut oder schlecht?

An der Bewertung werden sich die Geister scheiden. Ich sehe den Schritt sehr positiv. Jedenfalls dann, wenn er durchdacht ist und auch für Händler fokussiert umgesetzt wird. Aber leider wird das auch die große Frage werden. Und sind wir ehrlich, in der Vergangenheit hat eBay sich bei der Umsetzung großer Projekte nicht mit Ruhm bekleckert. Zwar glaube ich, dass am Ende alles gut wird, ABER der Weg dahin wird wohl eher steinig. Für Händler bedeutet die Veränderung idealerweise eine Vereinfachung der eigenen Prozesse, Entlastung bei der Buchhaltung und es werden Ressourcen geschont. Keine Zahlungszuodnung wird mehr nötig sein. Und auch keine lästige Kundenkommunikation, um z.B. die Frage nach euren Bankdaten zu beantworten.

Viele Händler werden, wie auch damals schon, reklamieren, dass man sich zu sehr in die Abhängigkeit der Marktplätze begibt. Springt dort jetzt ein Risk-Management-Tool an, dann sind (aber das ist auch jetzt schon bei PayPal so) die Beträge erst einmal gesperrt.

Welche Gefahren verstecken sich hinter der Veränderung?

Mittlerweile zahlen ja bereits sehr viele Kunden mit PayPal und der Direktzahlungsanteil liegt nur noch bei circa 5% (Zahl aus 2012. Im eigenen Unternehmen gemessen), so dass der Liquiditätsentzug kaum mehr relevant sein wird. Daher wird das keine große Gefahr darstellen.

Der Marktplatz kann aber mehr Kulanzleistungen verlangen und sie durchsetzen. Ähnlich wie es bei einer Amazon A-Z Garantie passiert, kann auch diese Funktionalität ausgeweitet werden. Bisweilen sind Garantien nicht über Paypal abbildbar.

Was bedeutet das für Verbraucher?

Nur Vorteile. Die zur Verfügung stehenden Zahlungsarten werden sich multiplizieren (s. Grafik oben). Der gesamte Check-Out-Prozess wird sich vereinfachen. Alles in allem vorteilhaft für Verbraucher.

Welche Zahlweisen wird es in Zukunft nicht mehr geben?

Aus Verbrauchersicht wird es keine Reduktion der Zahlweisen geben. im Gegenteil. Aus Händlersicht wird es nicht mehr die Direktzahlung von Kunden auf euer Bankkonto geben. Ob und inwieweit es noch die Barzahlung bei Abholungen geben wird, ist derzeit unbekannt.

Wird eBay seine Versprechen einlösen können?

Der Plattformanbieter kann die veränderte Kostenverteilung an seine Händler ausspielen. Und das wird wahrscheinlich auch geschehen. Eine Nichtweitergabe der Kostenentlastungen wird eBay sich nicht leisten können, hat die Plattform doch jetzt schon viel Aktivität in die Wiedergewinnung abgewanderter Händler gesteckt (Die Anzahl der Platinseller hat sich innerhalb von 3 Jahren halbiert).

Specific Customer Benefits

For sellers:

  • Lower Costs and More Control of Their Economics. Most sellers can expect their costs of payments processing to be reduced after they transition to eBay’s intermediated payments model, and benefit from a simplified pricing structure and more predictable access to their funds.
  • A Central Place to Manage Their Business. eBay is working on solutions to provide sellers with information about their eBay business, inclusive of payments information, in one place so that sellers can easily track and manage all of their transactions and customer interactions on eBay.
  • Greater Buyer Reach and Improved Conversion. By offering buyers more choice in how they pay and expanding payment options into more geographies, eBay believes sellers will be able to reach more buyers and improve conversion.

 For buyers:

  • More Payment Options at Checkout. eBay is focused on providing consumers greater choice in payment options at checkout.
  • An Integrated Checkout Experience. eBay will manage the entire checkout experience, delivering a more streamlined experience for consumers. (Quelle: eBay.com Ankündigung)

Wird Paypal da ausgebootet?

Nein. PayPal wird nach wie vor als Zahlungsmöglichkeit angeboten. Allerdings fließen die Zahlungen nicht mehr direkt auf euer PayPal-Konto. Sie gehen den Umweg über ein zentrales PayPal-Konto und werden über euer Ayden-Auszahlungskonto ausgekehrt.

(Quelle Marketpulse ; Anteil der eBay Zahlungen am PayPal-Zahlungsvolumen)

Das grundsätzliche Zahlungsvolumen wird sich also nur dann weiter verändern, wenn Verbraucher aus dem neuen Angebot an Zahlweisen nicht mehr PayPal als bevorzugte Methode auswählen.

Auswirkung wird die neue Partnerschaft aber auf die Kostenstrukturen haben. Bisher konnte sich PayPal gegenüber den Kunden mit seinen Gebühren durchsetzen. Der Dienstleister hatte einen Vertrag mit mehreren hunderttausend Händlern. Das ändert sich nun, Ayden ist der Partner.

Damit dürfte PayPal also durchaus bluten, aber der Begriff Trennung ist völlig falsch in den Medien verwendet worden. PayPal wird wie auch Ayden an einem Ausschreibungsprozess teilgenommen haben und am Ende eines solchen Procederes steht nur einer. In diesem Fall halt: Ayden.

Und  was denkt die Branche & Presse darüber?

Die Pressemeldungen gehen tendenziös in die Richtung, dass die Ankündigung ein Schlag ins Gesicht für PayPal ist. Einige Medien titeln gar, dass sich eBay von PayPal trennt. Hier findet ihr eine Übersicht der Pressestimmen. Nur wenige Medien waren in der Lage, die Ankündigung von eBay und Ayden richtig einzuordnen.

Meine Meinung

Alles wird gut. Der Einschnitt war abzusehen, als Vertragsdetails zwischen eBay und PayPal über die Trennung bekannt geworden sind. eBay muss sich gegenüber den Konsumenten öffnen. Dass Ayden jetzt der Partner ist, ist eigentlich unwesentlich. Wichtig ist der Umstand, dass eBay nun seine ’neue‘ Zahlweise einführt.

Klar muss sein, dass es innerhalb der mehrjährigen Umstellungsphase zu erheblichen Irritationen kommen wird. Es würde mich überraschen, wenn alles glatt gehen würde.

Gut ist der Umstand, dass zunächst die neue Zahlweise im Heimatmarkt gelauncht wird. Dann dürfen sich die US-Seller mit den Herausforderungen rumschlagen.

In meinen Augen war der grundsätzliche Schritt nötig und längst überfällig.

Lesetipp: Karsten Werner hat die News sehr gut analysiert. In weiten Teilen entspricht seine Analyse meiner Meinung.

„Ebay trennt sich also von PayPal, um mittelfristig auf dem Marktplatz dessen Platz einzunehmen und langfristig ein Wettbewerber des ehemaligen Partners zu werden. Ebay Payment 2025?“ so Karsten Werner auf etailment.de.