Als regelmĂ€ĂŸiger Twitter-Konsument begegne ich fast tĂ€glich der Spezies der Zwangsempörten und Spaßmoralisten. Und ich könnte kotzen, wenn ich die Humor gebremsten Kommentare der Anti-Witz-Aktivisten lese. Daher hat mich der Artikel von Johannes Richardt ĂŒber die Causa ‚True Fruits‘ nicht nur erfreut, sondern er stimmt mich auch frohen Mutes, dass wir nicht alle unseren Sinn fĂŒr mitunter schwarzen Humor verloren haben.

Danke an Johannes, dass ich deine brillanten Gedanken teilen darf.  And here weg go!

True Fruits: Verteidiger der Freiheit –Ein Smoothie-Hersteller lĂ€sst sich durch Shitstorms, Boykottaufrufe und Verleumdungen von berufsempörten Aktivisten nicht zum Obst machen. Gut so!

Eigentlich hĂ€tte der Smoothie-Hersteller True Fruits das Zeug zu einem besonderen Sweetheart jener Blase von dauerempörten und in wirklich jeglicher Hinsicht politisch hyperkorrekten Netzaktivsten, die sich vor allem bei Twitter austoben. Der selbstdeklarierte „Saftladen“ aus Bonn will nicht einfach nur PĂŒreesaft verkaufen. Nein, man grenzt sich ab von der Großindustrie, verzichtet auf Zusatzstoffe und ‚Chemie‘, pflegt eine lĂ€ssige Außendarstellung und sogar die hĂŒbsch designten GetrĂ€nkeflĂ€schchen sind nicht etwa aus Plastik, sondern aus Glas. Klingt alles nach einem super nicen, ‚verantwortungsbewussten‘ Unternehmen, sollte man meinen. Wenn da nicht die fiese Hate-Speech wĂ€re, derer es sich in regelmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden schuldig machen soll…

Slogans wie „Unser Quotenschwarzer“ fĂŒr einen dunkelfarbigen Smoothie oder der in Österreich eingesetzt Kampagnenspruch „Noch mehr Flaschen aus dem Ausland“ brachten True Fruits wiederholt RassismusvorwĂŒrfe ein. Der Werbeclaim „abgefĂŒllt und mitgenommen“ wird von Aktivisten als frauenfeindlich kritisiert, weil er bei Vergewaltigungsopfern Erinnerungen an die Tat hervorrufen könnte. KĂŒrzlich ist der Streit eskaliert. In den sozialen Medien brach ein Shitstorm ĂŒber den MittelstĂ€ndler herein, die Firmenfassade wurde mit Parolen beschmiert und auf Change.org findet sich ein an Handelsketten gerichteter Boykottaufruf gegen das Unternehmen, der inzwischen von ĂŒber 30.000 Menschen unterzeichnet wurde.

„Man habe sich an ‚das regelmĂ€ĂŸige Lamento einiger Zwangsempörter gewöhnt‘“


Bemerkenswert und sympathisch ist die Reaktion des Unternehmens auf den Versuch, seine Redefreiheit einzuschrĂ€nken. Die Online-Petition fordert eine öffentliche Entschuldigung und wirft True Fruits vor, „jegliche Form der Einsicht“ vermissen zu lassen. Im Gegensatz zu vielen Organisationen oder Personen, die bei vergleichbaren Angriffen von Netzaktivsten schnell einknicken und sich im öffentlichen „Mea culpa“ ergehen, schießt der Safthersteller zurĂŒck. In einer ErklĂ€rung werden die VorwĂŒrfe als absurd zurĂŒckgewiesen. Man distanziert sich von jeglicher Diskriminierung und wirft stattdessen den Aktivsten Humorlosigkeit und BeschrĂ€nktheit vor. Man habe sich an „das regelmĂ€ĂŸige Lamento einiger Zwangsempörter gewöhnt“.

Das Unternehmen erlĂ€utert, dass einige der als rassistisch gebrandmarkten SprĂŒche gerade als Statements gegen Fremdenfeindlichkeit zu verstehen sind, was aus dem Kontext der Werbekampagnen auch ersichtlich wird. Um aus dem Slogan „abgefĂŒllt und mitgenommen“ die BefĂŒrwortung von Vergewaltigung zu lesen, mĂŒsse man wohl selbst „ein kranker Dummkopf“ sein.

Wer die öffentliche SphĂ€re beobachtet (z.B. soziale Netzwerke, TV und Zeitungen, aber auch Diskussionsveranstaltungen), wird sicherlich bemerkt haben, welche Bedeutung sprachliche Be- und Empfindlichkeiten in den letzten Jahren gewonnen haben. Wir gewöhnen uns zunehmend daran, jedes unserer Worte vor dem Sprechen auf die Goldwaage zu legen, um nicht aus Versehen irgendeine hypersensible Seele zu verletzen, als irgendwie gestrig oder – noch schlimmer – wegen einer unbedachten Äußerung oder eines blöden Witzes gar als „rechts“ abgestempelt zu werden.

„Der Saftladen weigert sich, die Wahrheit der einzig richtigen Lehre zu akzeptieren.“


Vor diesem Hintergrund ist interessant, dass die Anti-True-Fruits-Petition nicht nur eine öffentliche Entschuldigung fordert, sondern gerade auch auf die „fehlende Einsicht“ des Unternehmens abhebt. Diese wird mit einer ziemlich gruseligen BeweisfĂŒhrung belegt: Zitate werden aus dem Kontext gerissen, im Sinne des eigenen ideologischen Deutungsrahmens zurechtinterpretiert, um dann die ErklĂ€rung des „Angeklagten“, wie seine Aussagen zu verstehen seien, als nichtig abzutun. So hat True Fruits nicht einfach nur sprachlich Hass in die Welt gesetzt, was ja bereits schlimm genug wĂ€re; nein, es hat sich zudem, im orwellschen Sinne, eines ‚Gedankenverbrechens‘ schuldig gemacht: Der Saftladen weigert sich, die Wahrheit der einzig richtigen Lehre zu akzeptieren.

Ein weiterer Aspekt kommt hinzu: die von True Fruits kritisierte Humorlosigkeit der Aktivisten. Wir sind zwar nicht so weit wie in Großbritannien, wo ein Youtuber ins GefĂ€ngnis musste, weil er seinem Mops in unzweideutig satirischer Absicht den Hitlergruß beigebracht hat (unserer britisches Partnermagazin Spiked hat den Fall in einer Kurzdokumentation aufgerollt). Aber dass Humor in der westlichen Welt einen zunehmend schweren Stand hat, gilt nicht erst seit True Fruits. Im angelsĂ€chsischen Sprachraum gab es inzwischen nicht wenige FĂ€lle, wo berufliche Karrieren auf Grund nicht-PC-mĂ€ĂŸiger SprĂŒche oder Witze (manche dumm, manche klug), geendet haben. Hierzulande erinnert man sich vielleicht noch an das durch einen eher unfreiwillig komischen Altherrenwitz ausgelöste Dirndlgate des FDP-Politikers Rainer BrĂŒderle. Aber auch die Kontroversen um das SchmĂ€hgedicht des Jan Böhmermann oder die Anzeige der AfD-Politikerin Alice Weidel gegen einen Fernseh-Satiriker zeigen, dass in Sachen Humor heute bei vielen schnell der Spaß aufhört.

Ein aktuelles Beispiel stammt von einer Karnevalsveranstaltung in Köln. Ein Komiker hat einen Flachwitz ĂŒber den, wer möchte es bestreiten, etwas sperrigen Doppelnamen der CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer gemacht. Darauf stĂŒrmte eine erboste Dame mit ClownskostĂŒm die BĂŒhne und maßregelte den verdutzten Jeck. Die Dame erklĂ€rte im Anschluss in einem Interview, sie habe sich durch den Witz diskriminiert gefĂŒhlt (die Arme heißt selbst Gabriele Möller-Hasenbeck) und solche Witze seien ja auch generell vor allem gegen Frauen gerichtet. GrundsĂ€tzlich mahnt sie zu mehr Ernsthaftigkeit in Humorfragen: „In unserer heutigen Zeit, wo es so viele Dinge gibt, ĂŒber die man sich aufregen kann, und die wirklich die Welt bewegen, darf man sich nicht ĂŒber Namen lustig machen.“ Einen Ă€hnlichen Appell zu mehr gesamtgesellschaftlicher Verantwortung beim Spaßmachen findet sich auch in der Anti-True Fruits-Petition. Dort heißt es: „Gerade in Zeiten einer politischen Polarisierung der Gesellschaft und erstarkenden rechten Strömungen, ist das Agieren von True Fruits besonders gefĂ€hrlich.“

„Wer die Grenzen des Humors beschrĂ€nken will, will die Grenzen des Sagbaren beschrĂ€nken.“


Diese Haltung könnte falscher kaum sein. Die eigentliche Gefahr liegt in der zunehmenden Moralisierung des Humors, vor allem seiner politischen Einhegung durch die Überempfindlichkeiten der politischen Korrektheit. Es gibt viele Definitionen von Humor. FĂŒr manche mag er tatsĂ€chlich vor allem der moralischen Erbauung dienen, als Mittel, um zu zeigen, dass man die richtige Denkungsart in allen Lebenslagen verinnerlicht hat und sich selbst beim Spaßmachen seiner moralischen Verantwortung bewusst ist. Andere denken sich vielleicht eher: „Humor ist, wenn man trotzdem lacht.“ Sie schĂ€tzen die subversive, anarchische Kraft des Humors, seine „dunkle Seite“, die mit der UnzulĂ€nglichkeit der Welt spielt, moralischen Schranken aufbricht, hinterfragt und karikiert.

Die Spaßmoralisten blenden diese wichtige, befreiende und damit freiheitliche Funktion des Humors aus. Wer die Grenzen des Humors beschrĂ€nken will, will die Grenzen des Sagbaren beschrĂ€nken. Viele große Denker haben darauf hingewiesen, dass Gefahren fĂŒr die Meinungsfreiheit nicht nur seitens des Staats drohen. Der liberale Philosoph John Stuart Mill warnt etwa in „Über die Freiheit“ explizit vor den Gefahren eines „Despotismus der Sitten“, der durch sozialen KonformitĂ€tsdruck zur Gefahr fĂŒr die freie MeinungsĂ€ußerung wird. Auch Fredrick Douglas, VorkĂ€mpfer gegen die Sklaverei in den USA, verweist auf die Gefahren fĂŒr die Redefreiheit durch nicht-staatliche Akteure.

Viel zu oft sind Kampagnen wie diejenige gegen den Bonner Safthersteller von Erfolg gekrönt. Mit jedem dieser ‚Erfolge‘ wird der Gesellschaft ein kleines StĂŒckchen Freiheit genommen. Es ist deshalb sehr erfreulich, dass True Fruits standhaft geblieben ist. Viel zu viele ducken sich gerade bei solchen als heikel geltenden Themen weg – aus Angst, selbst als Sexisten, Rassisten oder Gegner von Minderheitsrechten gebrandmarkt zu werden, wenn sie Meinungsfreiheit höher gewichten als ĂŒberspannte Anschuldigungen von irgendwelchen Aktivisten, die von sich behaupten fĂŒr benachteiligte Minderheiten zu sprechen. Es gilt das heutige Klima einer falsch verstandenen politischen Korrektheit in Frage zu stellen. True Fruits hat Recht, es geht in solchen Diskussionen auch um Macht: „Uns dĂŒnkt der tatsĂ€chliche Aufschrei gilt nicht unserer eigensinnigen Art der Kommunikation, sondern der Tatsache, dass wir Euch, den Zwangsempörten nicht den Hintern kĂŒssen wollen.“ Gerade deshalb ist heute so wichtig, Humor zu verteidigen, der provoziert, aneckt und es gerade nicht jedem Recht machen will.

(Quelle:
https://www.novo-argumente.com/artikel/true_fruits_verteidiger_der_freiheit)

Habt Mut

Kritik und Engagement mit und zu euren Marketing-Maßnahmen sind gut. Denn sie schaffen Wahrnehmung und erreichen oftmals Kundengruppen die ihr so niemals hĂ€ttet ansprechen können. Also, habt keine Angst vor Kritiken. Nutzt diese Chancen, provoziert und reitet solche Wellen. Das sind einmalige Gelegenheiten.

NatĂŒrlich ist ein Risiko da, dass ihr auch einmal daneben greift. Ja, aber es schadet nicht. Und vor allem es schont unfassbar euer Budget. Und die Kunden lieben solche Stunts. Alle? Nein, nicht alle. Bitte macht euch vorher Gedanken ĂŒber eure Zielgruppe und testet eure Kampagnen!

Ein paar Taktiken

Die vier am hĂ€ufigsten in Werbekampagnen und Fachliteratur anzutreffenden kommunikationsbasierten Instrumente des Guerilla-Marketing sind Virales Marketing, Ambush Marketing, Ambient-Medien sowie Sensation Marketing. Hutter/Hoffmann ordnen verschiedene Guerilla-Maßnahmen drei grundlegenden Strategien zu: Trittbrettfahrer-Marketing (z. B. Moskito-Marketing und Ambush-Marketing), Empfehlungs-Marketing (z. B. Viral-Marketing und Buzz-Marketing) und Lebensumfeld-Marketing (z. B. Ambient-Marketing und Sensation-Marketing).

  • Ambient Marketing: Hierbei wird das Lebensumfeld ĂŒberraschend verĂ€ndert. An Stellen, an denen der Konsument es nicht erwartet, wird das „Ambiente“ umgestaltet. In der physischen Welt finden sich Beispiele hĂ€ufig an viel frequentierten Stellen, wie Bushaltestellen, U-Bahnen oder HauswĂ€nden. Aber auch im Internet gibt es gute Beispiele fĂŒr ĂŒberraschende Webseiten-VerĂ€nderungen, die die Aufmerksamkeit des Betrachters fesselt.
  • Ambush Marketing: Ambush Marketing nutzt die mediale Aufmerksamkeit zu einem bestimmten Thema und bringt die Werbebotschaft damit in Zusammenhang. Dadurch erhöht sich automatisch das Interesse, da die Werbung „relevanter“ erscheint.
  • Buzz Marketing: Es werden „Produktproben“ (auch Dienstleistungen, Software, etc.) zur VerfĂŒgung gestellt, die Personen testen können, um anschließend im privaten Bekanntenkreis darĂŒber zu sprechen. Das „Teilen“ in sozialen Medien, wie Facebook, macht Buzz Marketing in unorganisierter Form (im Gegensatz zu „Tupperpartys“ oder manchen Strukturvertrieben) zum allgegenwĂ€rtigen Werbeinstrument.
  • Moskito Marketing: Beim Moskito Marketing fungiert man als Trittbrettfahrer auf dem RĂŒcken der Konkurrenz, deren Markenbekanntheit oder Expertise man fĂŒr das eigene Unternehmen mit nutzt. Moskito Marketing identifiziert SchwĂ€chen der Mitbewerber und nutzt diese auf kreative Weise aus oder bietet ergĂ€nzende Services an. Es reprĂ€sentiert den ursprĂŒnglichen Gedanken des Guerilla Marketings, weil es in erster Linie eine Möglichkeit fĂŒr kleine Unternehmen ist, sich bekannter zu machen.
  • Sensation Marketing: Es wird eine meist nur vorgetĂ€uschte Sensation inszeniert, um dadurch die raschere und umfangreichere Verbreitung der Werbebotschaft zu erreichen. Dabei ist der direkte Bezug zum zu bewerbenden Produkt in der Anfangsphase nicht erforderlich, er kann plötzlich in einer spĂ€teren Phase oder sukzessiv deutlicher werdend in mehreren spĂ€teren Phasen hergestellt werden. Ein gutes Beispiel ist die Bluewater-AffĂ€re.
  • Virales Marketing: Virales Marketing setzt auf die Verbreitung einer (Werbe-)Botschaft durch Mundpropaganda. Auch hierbei spielen neben E-Mails und Kurzmitteilungsdiensten die sozialen Medien eine wichtige Rolle. Gruppendynamische Prozesse sind die Grundlage fĂŒr die ViralitĂ€t einer Kampagne, die in erster Linie auf der Konvertierungsrate und einer möglichst schnellen Durchlaufzeit basiert.

(Quelle:
https://de.wikipedia.org/wiki/Guerilla-Marketing )