Ich betreibe die Wortfilter-Seite jetzt seit etwas mehr als 2 Monaten. Und wenn ich mich frage wo ich den größten Meinungswechsel gemacht habe, dann ist das wie ich die Arbeit der beiden großen Interessenvertretungen bzw. Verbände bewerte.

Als aktiver Händler, wusste ich zwar, sie waren da, aber irgendwie hat mich die Arbeit nie angesprochen. Im Gegenteil, eigentlich waren Sie weit weg und ich fühlte mich auch nicht angesprochen wenn denn mal was in der Presse kam.

Ab und an diskutierte ich mit meiner Frau, die ja auch aktiv in unserem Unternehmen tätig war, über den Sinn einen Stammtisch zu besuchen. Frauentypisch war meine Triebfeder schnell identifiziert: „Du willst doch nur wieder einen Trinken und Schwaden (dummes Zeug erzählen)“

Naja, es war eine Herausforderung Ihr argumentativ entgegen zu treten. Meinen Erfolg würde ich eher als „hat noch Potential nach oben“ bewerten.

Ich veranstalte gemeinsam mit dem bvoh den Kölner Stammtisch. Alle Termine finden Sie hier.

Seit Februar habe ich nun 5 Veranstaltungen besucht und auch einen Stammtisch. Meine Frau meint zwar immer noch das Selbe, aber ich habe nun Argumente.

In vielen Gesprächen wurden untereinander Hilfen gegeben. Viele Themen wurden in den Verband getragen. Kleine Dinge konnten gelöst werden. Und große Themen kamen auf den Tisch.

Mir ist klar, dass für die Meisten dann schon die Wahrnehmung der Verbandsarbeit aufhört. War bei mir ja auch nicht anders. Weg vom Stammtisch und man hört nix mehr. Das dem NICHT so ist, verstehe ich erst jetzt!

Natürlich liegt das daran, dass ich enger an allem dran bin, zeigt mir aber auch was mir früher gefehlt hat: Vertrauen

Die Aufgaben der Verbände sind hart und schwer. Im Übrigen nix für mich. Ich bewundere die Geduld, die diplomatischen Fähigkeiten und auch die Hartnäckigkeit mit der die Vertreter unserer Interessenvertretungen arbeiten. Ich mit meiner rheinischen Sichtweise der Dinge und meinem losen Mundwerk, würde untergehen und scheitern.

Schauen Sie doch einmal auf die großen Erfolge die jedem nutzen. Der bvoh und Oliver Prothmann haben mit der Initiative „Choice in Commerce“ Großes für alle kleineren und mittleren Händler erreicht. Das Durchbrechen der Vertriebsbeschränkungen.

Aktuelle ist ein großes Thema das EletroG. Händler ab 400qm Fläche sollen Elektro-Altgeräte kostenlos zurück nehmen. Der bvoh mit Oliver Prothmann haben es bis in die Prime-Time Nachrichten im Fernsehen geschafft.

Und auch beim neu gegründeten Arbeitskreis „Marktplätze“ des Händlerbunds war eBay und ein Vertreter von Ex-Meinpaket.de, jetzt allyouneed.com, von Anfang an dabei und hörten zu. Ich bin auch mit dabei.

Der bvoh hat sich dieses Jahr auf die Fahne geschrieben, Amazon kritisch zu betrachten und der Übermacht und dem unfairem Marktverhalten gegenüber zu treten. So etwas kann und möchte auch wahrscheinlich niemand von Ihnen alleine leisten. In meiner aktuellen kritischen Berichterstattung über den Verifikationsprozeß bekam ich vor nahezu jedem Telefonat mitgeteilt: „Aber bitte auf gar keinen Fall meinen Namen nennen.“

Und genau das ist es. Es ist wichtig, dass Sie eine Stimme haben, eine Vertretung Ihrer Interessen OHNE das Sie aus der Deckung kommen müssen.

Jetzt wo auch noch der Stationäre-Handel in das Online-Geschäft drängt und Amazon ein nicht hin zu nehmendes Marktverhalten an den Tag legt, aber auch eBay mit den unglücklichen Entwicklungen: Mangelquote und Rückgabeprozess, Ihre Handlungsfähigkeit einschränkt und teilweise bedroht, ist es wichtiger denn je sich ein passendes „zu Hause“ zu suchen.

Ein Beispiel wie Verbandsarbeit passieren kann:

Der Einzelhandel, organisiert im HDE, hat fast ein Jahrzehnt den Online-Handel verpennt. Der Zug ist abgefahren. Was passiert? – Der Verband sagt, ok wir brauchen jetzt ne Plattform, also machen wir. Hey Sigmar Du bist doch Wirtschaftsminister, komm mach mal mit. Wir vertreten im Übrigen tausende an Wählerstimmen. Mach mal. Er macht!

Der 1. Erfolg. Die große Politik hört zu. Alle rasen also diese Woche nach Berlin und hören sich den HDE an. Der hat natürlich einen ganzen Forderungskatalog mit im Gepäck und die Situation für den Einzelhandel noch zu retten. UND JEDER HÖRT ZU!

Und der Knaller: „Die Gelder sind nötig, damit die Geschäftsmodelle umgebaut werden können. Kredite sind immer mit Risiken verbunden. Deshalb schlagen wir in Ergänzung zur KfW auch Bürgschaften des Bundes oder der Länder vor“

Pappendreist schreit der HDE nach Kohle!

Klar, hätten wir Online-Händler auch gebrauchen können. Wer hat das Geschäft denn überhaupt bewusst gemacht? Wer hat jahrelang gegen alle Widrigkeiten gekämpft: WIR? Und kam Unterstützung. NEIN.

Was wird passieren. Es werden Förderprogramme aufgelegt und der Geldbeutel geht ganz weit auf. Schlimmer noch: Kaum einer merkt das sich da mal eben der Einzelhandel seine Fehler von der Allgemeinheit bezahlen lässt.

Dieses Beispiel zeigt wie ein großer und mitgliedsstarker Verband Dinge bewegen kann. Warum ist das nicht im Online-Handel passiert?

Die Antwort ist einfach: Weil wahrscheinlich viele von Ihnen den gleichen Fehler gemacht haben wie ich selber. Ich habe der Verbandsarbeit nicht vertraut. Den Sinn nicht erkannt und sie nicht unterstützt. Das war falsch von mir!

Daher mein Aufruf und meine Bitte an Sie alle! – Bitte suchen Sie sich Ihren Verband, Ihr „zu Hause“ wo Sie sich am besten vertreten sehen und unterstützen Sie die Verbände!

Werden Sie Mitglied, am Besten in beiden Verbänden!