Die Nachricht, dass einer der Schwergewichte der Marktplatzhändler, die Jago AG, insolvent ist, schlug ein wie eine Bombe. Von aufrichtiger Betroffenheit bis Schadenfreude konnte ich das vollständige Spektrum an Emotionen am Markt lesen. Auch wenn der Gründer Goran Jakovac immer hart am Wind segelte und kein einfacher Wettbewerber war, so überwiegt doch die Betroffenheit. Das finde ich gut.

Firmenvertreter konnte ich noch nicht erreichen, sodass ich mich erst einmal am Markt umgehört habe um herauszufinden, was alles kolportiert wird. Zunächst aber ein paar Fakten über Goran Jakovac und seine Jago AG.

Die Geschichte von Goran Jakovac und der Jago AG

Alles fing 2005 mit der Gründung der Leopet GmbH & Co. KG an. Goran Jakovac versendete Artikel auf der Kategorie Heimtierbedarf.

Goran Jakovac

(Quelle: Jago AG, CEO Goran Jakovac)

Es wurden dann quasi im Jahrestakt neue Marken und Geschäftsfelder erobert, bis 2012 – bei einem Umsatz von 35 Mio. Euro – die Jago AG gegründet wurde . In ihr wurden alle bisherigen Aktivitäten zusammengefasst.

Zunächst erfolgte der Vertrieb über eBay. Hier hatte Goran Jakovac seinen privaten eBay-Account umgewandelt: von ‚buergermeisterpopitzel‘ in ‚pets-in-tha-house‘ und dann zu ‚jago24-germany‘.

2008 startete der Unternehmer dann auf Amazon.de mit dem Nutzernamen JAGO24. Aktuell hat er 1.666 Artikel online.

2015 überschritt die Jago AG erstmals die 100 Mio. Grenze beim Umsatz und es wurde zusammen mit einem Investor der Grundstein für einen neuen Logistikstandort in Hückelhoven gelegt.

2017 beschäftigte die Jago AG über 500 Mitarbeiter. 2016 wurde das Unternehmen noch in sämtlichen Toplisten der verschiedenen Marktplätze geführt.

Jago AG Insolvenz: Wie groß war die Jago AG?

Umsatz_Jago-AG

Die Jago war auf sämtlichen relevanten nationalen und internationalen Marktplätzen vertreten. Selbst in der Schweiz war Goran Jakovac aktiv. Sowohl bei eBay, wie auch bei Amazon ist er derzeit noch mit ein paar tausend Artikeln gelistet. Der Umsatz überschritt 2015 erstmals die 100 Mio. Marke. Für 2016 sind noch keine Zahlen bekannt.

In der EHI-Auflistung der umsatzstärksten deutschen Onlineshops rangte Jago24 auf Platz 64 vor Hornbach und nach hellofresh.de.

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(Quelle: EHI)

Das amerikanische Portal webretailer führte in für 2016 in den Toplisten:

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In Deutschland belegte er Platz 13 der größten Amazon-Verkäufer für das Jahr 2016, direkt hinter Anker und Lets-sell!.

Gegenwärtig wickelt er auf eBay immer noch über 10.000 bewertete Transaktionen pro 30 Tage ab. Das dürfte dann einem Volumen von circa 30.000 tatsächlichen Verkäufen entsprechen. Selbstverständlich gehört er damit zu den knapp 320 Platin-Händlern, die auf dem Marktplatz aktiv sind.

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Auf der Plattform eBay ist er sogar mit Platz 22 unter den 25 weltweit größten eBay-Händlern geführt. Dort handelt er mit den beiden Accounts: jago24-germany und jago24online.

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Bereits 2012 verfügte die Jago AG über eine Logistikfläche von 50.000  m². 2016 wurde dann das mit dem Investor Panattoni gebaute und 120.000 m² große Logistikzentrum in Hückelhoven eröffenet.

Wie andere Onlinehändler berichteten, war das Lager in letzter Zeit mäßig gefüllt und es wurden von Jakovac Fulfillment-Flächen angeboten.

Neben der Jago AG können möglicherweise auch noch weitere Goran Jakovac-Unternehmen betroffen sein. Informationen hierzu gibt es derzeit noch nicht. Hier aber ein Überblick der verbundenen Unternehmen.

(Quelle: northdata.de)

Es gibt auch noch weitere Gesellschaften, z. B. in der Schweiz und in Asien. Die Jago AG hat einen eigenen wikipedia.de-Eintrag.

„Die JAGO AG ist weltweit mit Repräsentanzen, Niederlassungen und verbundenen Unternehmen in Ningbo (China), Shanghai (China), Casablanca (Marokko) und Novi Sad (Serbien) vernetzt. Zwischen 2012 und 2014 wurden zudem Logistikzentren – u. a. in Gittelde und Dassel (beide Niedersachsen), Eschwege(Hessen), Hilden und Mülheim an der Ruhr (beide Nordrhein-Westfalen) – mit einer Gesamtlagerfläche von ca. 110.000 m² in Betrieb genommen. Die Logistikzentren versenden bis zu fünf Millionen Pakete jährlich.“ (Quelle: wikipedia.de)

Die zuletzt veröffentlichte Bilanz für das Geschäftsjahr 2014/15 weist ein positives Ergebnis aus.

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(Quelle: Bundesanzeiger)

Auch die Vorjahresbilanzen deuten nicht auf eine akute Schieflage hin.

Was sagen die Lieferanten zu der Jago AG-Insolvenz?

Bei den asiatischen Lieferanten war die Schieflage schon seit einigen Monaten Thema. Sie beobachteten einen rückläufigen Bestelleingang und zuletzt häuften sich die Stimmen, dass das Unternehmen in einer ernsten Krise steckte. Wie ich aus informierten Kreisen erfuhr, war der Paketversand zuletzt nur noch mit Vorkassezahlungen möglich und Restzahlungen auf Ware konnte die AG nicht mehr leisten, sodass einige Container nicht ausgelöst werden konnten.

Das erinnert ein wenig an den Fall Selectronica. Hier kamen auch erste Anzeichen einer Krise aus Asien durch die Lieferanten bzw. den Spediteuren. Wegen des unrühmlichen Endes der Firma war das einer der bisher spektakulärsten Pleiten eines eBay-Händlers.

In China und Taiwan geht man recht entspannt mit der Situation um. Bereits produzierte Ware wird derzeit Marktbegleitern zum Kauf angeboten.

Was sagen die Marktbegleiter?

Hier bediente der Wettbewerb das komplette Spektrum an Emotionen. Von aufrichtiger Betroffenheit, über Schadenfreude bis hin zu Erleichterung war alles an Stimmen zu vernehmen.

Einige direkte Wettbewerber reagierten erleichtert und freudig, da die Jago AG durch ihre preisaggressive Politik dem Markt richtig zugesetzt hatte.

Kleinere Begleiter reagierten mitunter mit Schadenfreude und betonten, dass sie es ja schon immer gewusst haben, dass das nicht gut gehen konnte. Auch hier zielten sie auf die niedrigen Preise und die Qualitätsherausforderungen der Jago-Ware ab.

„However, our park bench vendor_Y****, they did get the news on Monday about JAGO bankrupt. They are waiting for further news to see how they will handle. He was told JAGO will handle employee issues first. R**** has 3 shpts on sailing (about 7-8 containers). 2 shpts will be ETA soon. I have asked him the docs/items on sailing and to provide me. Perhaps we can „help“. He will prepare and provide me me soon.“ (Quelle: Auszug aus einer Mail Kommunikation)

Was bedeutet Jago AGs Insolvenz für die Marktplätze?

Gegenwärtig handelt die Jago AG ja noch aktiv. Das wird auch weiterhin möglich sein, wenn es eine Einigung mit dem Insolvenzverwalter geben wird. Die Umsätze der Jago AG werden sich nun auf die anderen Marktbegleiter verteilen. Und das dürften die Wettbewerber auch richtig spüren, insgesamt ist ein Umsatz von über 100 Mio. € neu zu verteilen. Das ist ein Brocken. Da die AG kaum exklusive Ware handelt, leidet auch die Inventarvielfalt wenig.

Die Gerüchte

Natürlich brodelt die Gerüchteküche und es wird über die Ursachen der Jago AG-Insolvenz kolportiert. 2 Gerüchte haben sich herauskristallisiert:

  1. Ursache für das Scheitern seien die geringen Erträge, die in der Vergangenheit erwirtschaftet worden sind.
  2. Es hat eine Disharmonie mit einem Wettbewerber gegeben.

Zu den Gerüchten an sich kann ich nichts sagen. Beide lassen sich gegenwärtig nicht validieren. Und nur der Umstand, dass sie häufig gespielt werden, sagt noch nichts über deren Wahrheitsgehalt aus.

Was können andere daraus lernen?

Auch mit einem insolventen Unternehmen können Marktplatzhändler weiterhin auf den Plattformen handeln.

Da wenig über die Ursachen der Insolvenz bekannt ist, lässt sich auch wenig daraus ableiten oder lernen. Alles was bisher vermutet wird, ist nichts als Kaffeesatzleserei.

Was sagt die Jago AG selbst dazu?

Nichts. Auf meine Nachfrage hin war kein Vertreter der Jago AG bereit, Stellung zu beziehen. Eine Stellungnahme des vorläufigen Insolvenzverwalters DR. TIBOR BRAUN steht noch aus.