UPDATE:

eBay hat heute die wesentlichen Inhalte der Studie in deutscher Sprache veröffentlicht. Hier geht es zur Pressemeldung.

Wahrscheinlich. Unglaublich wie schnell sich falsche Informationen verbreiten. Zumal dann, wenn einige Journalisten nur abschreiben, nicht denken, nicht lesen oder kein Englisch können.

Bayern scheint da ganz vorne zu stehen.[Naja anständiges Bier können se ja auch nicht brauen.Kölsch rockt!]

Ebay hat letzte Woche seine Studie: GERMAN SMALL ONLINE BUSINESS TRADE SUMMARY 2015 veröffentlicht.

Der Bayerische Rundfunkt meldet: Doch die erfolgreichsten Ebay-Händler sind nicht etwa in den Metropolen zu Hause, sie kommen aus Niederbayern.

Radio Charivari denn dann gleich: Wer hätte das gedacht: Das heimliche Zentrum von ebay liegt in Nieder-bayern.

Und die Passauer Neue Presse schreibt: Die Niederbayern sind die besten Ebay-Händler Deutschlands

Zurück gehen diese Falschmeldungen auf einen Bericht der FAZ von 27.05.2015 in der sie zunächst titelte: Die meisten Online-Händler sitzen nicht in Berlin [….]. An der Spitze liegt Niederbayern.

Vorab einmal die RICHTIGEN Zahlen: Die meisten gewerblichen Online-Händler kommen aus NRW!

as ist denn da überhaupt schief gelaufen? – Warum diese Falschmeldungen?

In eBay Studie sind zunächst die ausgewerteten Verkäufer wie folgt erklärt:

„..the data was limited to transactions by sellers with sales of more than $10,000, (approximately €9,000) annually on the eBay Marketplace. These are called „Commercial Sellers“, or small online businesses1.“

Und übersehen wurde die Fußnote (1):

„1 Small online businesses are defined as those that have made more than 10k USD (currently 9000 euros) GMV [..] in any given year. For the purposes of new businesses since the crisis, these are businesses with no sales in 2010, but more than 10k USD GMV each year during the 2011-2014 period.“

Damit sind die Verkäufer stark eingeschränkt. Es werden also nur die Verkäufer betrachtet die Umsatz ab 2011 bis 2014 gemacht haben und nicht schon 2010. Sämtliche anderen und schon länger auf eBay Geschäfte machenden Händler werden NICHT in die Studie mit einbezogen.

Es geht hier also nur um „Neugründungen“.

Damit fallen die eBay Stars, wie mein guter Bekannter Peter Pöllath von atp-autoteile raus aus der Betrachtung. Peter ist Deutschlands größter eBay Verkäufer. [@Peter wir müssen mal wieder ein anständiges Bier, ein Kölsch, zusammen trinken gehen]

Und genau dieser Verständnisfehler der Medien hat zu den massiven Fehlinterpretationen geführt.

Warum die von eBay beauftrage Wirtschaftskanzlei so krude die Beobachtungsmenge eingeschränkt hat erschließt sich mir nicht. Naja andererseits: Juristerei und Mathematik sind ja bekanntlich 2 Welten die sich nicht vertragen. Oder habt Ihr schon einmal einen Anwalt gesehen, der rechnen kann?

Aber auch ein zweiter, sehr großer Fehler, hat sich in die Studie eingeschlichen, bzw. führt zu einer massiven Falschbewertung und Ungenauigkeit:

Betrachtet werden lediglich die Umsätze der eBay Verkäufer, nicht aber der Status Ihres Accounts, d.h. ob es sich um einen Privaten- oder Gewerblichen-eBay-Account handelt.

Das bedeutet sämtliche Scheinprivaten-eBay-Verkäufer, die massiv Steuern hinterziehen und Sozialleistungen vorenthalten, werden mit in dieser Studie betrachtet und bewertet. Das ist ein Unding.

Zumal eBay ja die einfache Möglichkeit hat solche Verkäufer-Accounts auszuschließen:„Angemeldet als gewerblicher Verkäufer“ und „Angemeldet als privater Verkäufer“ s. Bilder oben.

Daher hat sich dann auch konsequenterweise ein Fehler in eBay Pressemitteilung eingeschlichen:

„94 Prozent der bei eBay in Deutschland aktiven gewerblichen Händler exportieren ins Ausland – dies sind im Vergleich zum stationären Handel, wo lediglich 16 Prozent der Unternehmen exportieren, deutlich mehr.“

Grundsätzlich ist es aber richtig, dass es mit eBay einfach ist zu exportieren.Ich selber finde es auch wichtig, dass Händler sich internationalisieren und Ihre Artikel exportieren.

Und auch das ist eine sicherlich richtige und wichtige Aussage:

„Auf Marktplätzen wie eBay sind die Transaktionskosten für Händler vier- bis fünfmal geringer als im Offline-Handel – davon profitieren auch die deutschen Online-Händler.“

Leider ist dieses den meisten gewerblichen Online-Händlern nicht bewusst, da sie nie einen „Offline“ Handel betrieben haben.

Deutschland-Chef Dr. Stefan Zoll hat die Studie zutreffend zusammengefasst:

„Bereits seit vielen Jahren ermöglicht eBay es den Online-Händlern weltweit zu jeder Zeit Millionen von Konsumenten zu erreichen und so auch vom grenzüberschreitenden Handel zu profitieren“

„Die nun vorliegende Studie zeigt, dass Marktplätze wie eBay im Vergleich zur Offline-Welt einen echten wirtschaftlichen Mehrwert leisten und nachhaltigen Geschäftserfolg sichern.“

Und nun zu den schlechten Nachrichten für die Bayern. Der erfolgreichste eBay Händler ist ein Pfälzer, genau ein Oberpfälzer.

Hier einmal Zahlen aus 1/2011 und 4/2013. Die aktuellen Zahlen sind noch einmal beeindruckender:

(Quelle: Mark Steier, wortfilter.de)

Bei den bayerischen Medien war dann wohl eher der Wunsch Vater des Gedankens, dass dort die erfolgreichsten und meisten eBay-Händler angesiedelt sind. Tatsächlich ist folgende Menge betrachtet worden:

„DIGITAL DENSITY: THE TOP GERMAN REGIONS IN TERMS OF TECHNOLOGY-ENABLED BUSINESS UPTAKE“

Hier haben dann die die Herren Juristen aus Chicago dann den Begriff der „Digitalen Dichte“ für sich festgelegt:

„We have studied two indicators of the level of small online business uptake found in German regions: (1) the number of „Commercial Sellers“ per 100,000 inhabitants and (2) sales by „Commercial Sellers“ per 100,000 inhabitants. Together these indicators make up what we call „Digital Density“5 .“

Und die liebe Fußnote:

„5 The „Digital Density“ score is a weighted combination of indicators 1 and 2. The weighted average puts more emphasis on the sales per small online businesses, as starting up a business is the first step to selling“

Das Geheimnis der Autoren bleibt die Gewichtung. Daher sind die Aussagen auch mit Vorsicht zu genießen. Jedenfalls komplett falsch ist diese, leider noch immer aktuelle, Aussage der FAZ:

„Viele gewerbliche Ebay-Händler versenden nicht aus den größten Städten Deutschlands sondern kommen aus der Provinz. An der Spitze liegt Niederbayern.“

Also: Bei den Startern unter den eBay-Händlern, gemessen und gewichtet an Anzahl und Umsatz je 100k-Einwohner, da liegen die Niederbayern vorne bzw. ist der Süden, in den Top10, gut vertreten.

Was bedeutet das nun: Man kann wohl auch herauslesen, dass die Bayern bisweilen der Entwicklung verschlafen haben und sich erst jetzt „digital“ entwickeln. Aber das ist mir Sicherheit zu spitz und trifft die Realität nicht!

Die Kernaussage, dass man in strukturschwachen Gebieten durchaus erfolgreich online handeln kann ist natürlich absolut richtig, und schon länger bekannt und auch belegt.

Mein Fazit:

Die Kernaussagen dieser Studie unterstütze ich: Marktplätze wie eBay unterstützen des grenzüberschreitenden Handel enorm und deutsche Händler fahren damit enorme Erfolge ein. Strukturschwache Regionen profitieren stark vom Online-Handel und stellen keine Beeinträchtigung dar.

Ich finde es schade, dass die Studie nicht in einer exakten deutschen Übersetzung bereit steht. Dadurch wären Fehler in der Deutung von Aussagen minimiert worden. Des Weiteren finde ich die Studie sehr schwer und teilweise ungenau und unverständlich geschrieben. Das hätte besser gemacht werden können.

Meine Kritik an der Berichterstattung ist mit einem großen Augenzwinkern zu sehen, denn ich hatte auch größte Herausforderungen die Studie zu verstehen. Hoffentlich haben sich bei mir nicht Fehler eingeschlichen.

Ich bin gespannt ob andere Medien auch so spontan und freundlich reagieren wie Martin Gropp von der FAZ. Er korrigierte sehr schnell die „groben Schnitzer“ nach meinem Hinweis.

Proaktiv, falls es mir „um die Ohren fliegt“: Fehlerfrei schreiben kann ich nicht. Ich finde die Pareto-Regel gut.

Zum Abschluss: „The region Cologne is the third most populous region in Germany but only number 17 in Digital Density.“

Nix da, Cologne rulez! –

Das beste Bier in Deutschland: Kölsch

Vielen Dank für die Mithilfe Amelie Deister, dem Datenspatz von evectio.