Heute erschien auf der internetworld.de ein Interview mit DPD CEO Boris Winkelmann von Ingrid Lommer. Erstaunlich war seine Offenheit hinsichtlich der Bevorzugung von Großversender und Schwergewicht Amazon. Da es wahrscheinlich auch ähnliche Vereinbarungen mit DHL und Hermes geben wird, ist das ein Schlag ins Gesicht für alle selbst versendenden Händlern. Und leider ist es auch eine Bestätigung der Vermutung vieler Händler.

Auszug aus dem Interview

[…] Manche Marktbeobachter erwarten, dass auch im schlimmsten Paketkollaps die Pakete von Amazon wohl noch pünktlich ankommen würden, weil der Marktplatz spezielle Vereinbarungen mit seinen Logistik-Partnern pflegt […].

Winkelmann: „Sagen wir so: Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass der größte E-Commerce-Player, mit der Marktmacht, die er nun einmal hat und angesichts der Paketmenge, die er in Umlauf bringt, in den Verhandlungen gewichtiger auftreten kann. Amazon stellt sehr hohe Ansprüche an seine Partner. Die Pakete stehen in einem besonderen Fokus. Allerdings ist daran nichts Ungewöhnliches: Bei den Top 10 Kunden ist es nicht ungewöhnlich, dass wir mit großen Kunden ein bestimmtes Servicelevel verbindlich vereinbaren […].“

Winkelmann verkennt, wer ihm das Geld bringt

Und verkennt, wer für die gleichmäßige Auslastung seiner Depots sorgt. Das ist nicht Amazon. Das ist die Vielzahl an kleinen, mittleren und auch größeren Versendern, die über das ganze Bundesgebiet verteilt für die Auslastung, den Umsatz und den Ertrag von DPD sorgen.

Denn nach wie vor haben die KMU-Versender den größten Anteil an den täglich circa 10 Mio. versendeten Paketen und nicht Amazon. Für gerade diese Versender ist die Bevorzugung ein Schlag ins Gesicht, tragen sie doch am Meisten zum Ergebnis der KEP-Branche und damit auch von DPD bei.

Fakten: Die Frankfurter Gruppe vereint 20 Händler. Sie beschäftigen 1.800 Mitarbeiter und versenden jährlich über 14 Mio. Pakete, so ihr Sprecher Oliver Prothmann.

Dieses Ungleichgewicht ist nicht hinnehmbar, stellt es doch eine starke Benachteiligung der KMU-Händler dar.

Der Händler steht mal wieder im Regen

Während der Großversender die Paketdienste DPD, Hermes und DHL mit individuellen Verträgen knebeln kann, haben die kleinen und mittleren Versandhändler keine Chance. Und leider fehlt es wie so oft an einer Stimme, die den Händlern Gewicht gibt.

Es darf nicht sein, dass wenige Großversender ihre Macht bei den Paketdienstleistern so zum Nachteil der KMU gebrauchen.

Und wer kann helfen?

Die Verbände und auch die Plattformbetreiber, wie z. B. eBay, Rakuten, real und Hood. Wie schon so oft scheinen sowohl die großen Verbände wie HDE, bevh, BVOH und der Händlerbund schlicht zu versagen. Aber auch die anderen Marktplätze stehen dem in nichts nach.

eBay: Positioniert sich gerne als Partner des Handels. Wenn es aber darauf ankommt, mehr als ein Lippenbekenntnis zu erwarten, dann wird es schwer. Warum schafft es der Marktplatz, der ja gerne spielt, nicht selbst mit Waren zu handeln nicht einen Rahmenvertrag auf die Beine zu stellen?

Oder warum gelingt es eBay nicht einmal, die Paketzahlen der Top 100 Händler abzufragen und zu kommunizieren?

Rakuten, real,  Hood u.a.: Man könnte meinen, dass ihnen die Schicksale und die Herausforderungen seiner Partner völlig egal sind. Noch nie habe ich von diesen Marktplätzen der 3. und 4. Reihe wahrgenommen, dass sie Händler unterstützen.

HDE: Vertritt der HDE denn überhaupt den KMU-Versandhandel oder ist das ausschließlich ein Spielplatz der Großen und Alten aus der Branche?

bevh: Den Zusammneschluß mit dem KMU starken Verband BVOH haben sie ja verkackt und das, was jetzt an kleinen und mittleren Händlern in dem Verband vertreten ist, ist nicht mehr als eine knappe Hand voll (an der ein paar Finger fehlen).

BVOH: Der Verband ist viel zu klein und kann sich kaum jedes Themas annehmen.

Händlerbund: Ist eher ein Alibiverband und ein Steigbügelhalter für das Projekt ‚Mache die Familie A. reich‘.

Alles in allem ein Armutszeugnis, was sich die Partner der Händler ausstellen. Schade, sehr schade.

Was muss sich ändern?

Liebe Verbände, Marktplätze und Plattformen, bekommt doch endlich einmal euren Hinter hoch und tut etwas. Nehmt euch der Herausforderungen und der Themen der KMU-Händler an. Bitte.

Ihr Politiker da draußen, bitte seht, dass unsere Wirtschaft und der Handel nicht von Amazon getragen werden. Die Arbeitsplätze, die Steuern und auch die Innovationen kommen von den KMU. Wir brauchen einen starken Mittelstand und es muss vermieden werden, dass die Verhandlungsmacht bei wenigen Großen liegt und Entscheidungen zulasten der gesamten Händlerschaft getroffen werden. Ihr könnt für Fairness sorgen.

Händler, meldet euch, tobt, schreit, meckert! Nur eines solltet ihr nicht tun: still sein! Jedes ‚Das ist aber scheiße‘ ist mehr Wert, als dass ihr euch nicht mit einer Meinung an den Dingen beteiligt. Resigniert nicht, sondern meckert und seid laut.

Das fordere ich

Lieber Devin, lieber Eben, lieber Denis, setzt euch bitte gegenüber der KEP-Branche für eure Verkäufer ein. Sorgt dafür, dass sie gegenüber einzelnen großen Versendern bei den Paketdienstleistern nicht benachteiligt werden. Bitte sammelt und veröffentlicht Daten, die Transparenz und Verständnis über die Versandvolumina eurer Verkäufer schaffen. Stellt euch als Rahmen-Partner zur Verfügung.

Liebe Verbände, Alibibünde und Kleinstansammlungen, bitte gebt Statements ab. Bitte problematisiert die Paketherausforderungen in der Politik und in den Leitmedien.

 

Bild: pistonheads.com