In der vergangenen Nacht veröffentlichte ich einen Artikel von Bloomberg in der Facebookgruppe. Letztes Jahr, gerade im Weihnachtsgeschäft, sind viele Details über Amazons Logistik bekannt geworden. So gibt es in den USA Projekte, die Ware per Fahrradkurier oder durch Boten zustellen zu lassen. Hier in Deutschland ist bekannt geworden, dass Amazon ein Projekt mit Audi und DHL angegangen war, bei dem es darum ging, in den Kofferraum des Kunden zu liefern. Nicht zu vergessen, dass hierzulande bereits in 14 Ballungsräumen die Same Day Delivery Einzug gehalten hat. In England und Frankreich beteiligt sich Amazon bereits an Zustelldiensten, in München wird derzeit eine eigene Flotte aufgebaut und in den USA kaufte Amazon eine große Anzahl LKW. Es kam auch ans Licht, dass der Onlineriese eine Schifffahrtslizenz beantragt hat und sich für das Leasing von Flugzeugen interessiert. In dieser Richtung ist auch schon etwas geschehen, aber dazu komme ich noch.

Projekt Dragon Boat

Was ist das eigentlich? Es läuft nun bereits seit eineinhalb Jahren und ist auch deutschen Marktplatzhändlern zugängig. Dennoch kennt es kaum jemand. Die Idee ist recht einfach: Deutsche Händler können ihre Waren direkt an einen Container in China liefern. Dieser wird dann direkt in das FBA Lager verschifft. Das vereinfacht natürlich die Logistik der Händler, denn der Umweg über das eigene Lager und das ganze Paperwork bleiben erspart. Natürlich ist es auch schicker für diejenigen, die nicht deinen ganzen Container benötigen, denn sie haben die Möglichkeit dazu zu lasten.

Derzeit nehmen am deutschen Ableger des Projekts etwas mehr als eine Handvoll Marktplatzhändler teil. Damit ihr da ebenfalls mitmischen könnt, sprecht doch einfach einmal euren Amazon-Mitarbeiter an und lasst euch detailliert informieren.

Amazons globale Strategie

Schmeißen wir einmal alle bekannten Informationen in einen Topf, dann wird recht schnell eine Strategie daraus, die sich mit dem Bericht von Bloomberg Business News deckt. Amazon möchte natürlich auch auf Händlerseite die Logistik vereinfachen. Nahe liegend: Ist ausreichende Auslastung sichergestellt kann Amazon die Dinge selber in die Hand nehmen. Zum einen partizipiert der Handelsriese selbst an den eigenen Logistikdienstleistungen und zum anderen erhalten die Marktplatzhändler durch vereinfachte Lieferung an FBA-Lager echte Mehrwerte.

Bereits innerhalb der von Verdi organisierten Streiks war zu beobachten, dass Amazon durch eine sehr ausgefeilte Logistik in der Lage war, die Auswirkung der Streiks auf das Unternehmen zu eliminieren. Sie waren schlicht wirkungslos. Der englische Blog Tamebay berichtete kurz nach Weihnachten, dass Amazon sogar ein Flugzeug gechartert hatte, um den europäischen Lieferverkehr zu optimieren.

Amazon setzt also an 2 Seiten an. Man nimmt die Logistik in die eigene Hand und vereinfacht die Lieferkette der Händler. Durch das Projekt Dragon Boat, den möglichen Einsatz eigener Seefrachter und auch durch ein Engagement in der Frachtluftfahrt.

Auf der Zustellerseite – da fallen die Projekte der Öffentlichkeit schneller ins Auge -, unternimmt der Handelsriese alles, um seine Ware schnellstens dem Kunden zuzustellen.

Der Kunde fest im Blick

Es ist ja nichts Neues, dass Amazons Strategien sehr kundenorientiert sind. Uns ist klar, dass Veränderungen im Bereich der Kundenzustellung schneller an die Öffentlichkeit geraten als Neuerungen im Bereich der globalen Ausrichtung. Aber auch hier wird ein Schuh draus! Neben den Marktplatzhändlern profitieren ja vor allem auch die Kunden von einer guten und schnellen Logistik. Dabei ist es egal, ob Amazon nun Flugzeuge nimmt, um das Weihnachtsgeschäft besser zu steuern, oder ob bereits am Anfang der Lieferkette angesetzt wird.

Selbständig mit Amazon FBA und Private Label

Seit ein paar Wochen beobachte ich einen starken Trend, der aus den USA nach Europa schwappt. Mit Amazon FBA den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Kurz: Händler importieren selbstständig Produkte aus China, versehen die mit einer eigenen Marke und verkaufen dann über Amazon FBA. Besonders spricht das junge und motivierte Neuhändler an, die neben Ausbildung, Studium oder Beruf schon in der Selbstständigkeit Fuß fassen wollen. Über den Daumen habe ich etwa 2500 Mitglieder in den Communities gezählt. Die Administratoren dieser Gruppen kommen meist aus dem Bereich Marketing oder sind selbst ehemalige Amazon-Mitarbeiter. Vielleicht ist es noch zu früh zu behaupten, dass sich dahinter ebenfalls eine Kampagne des Riesen versteckt. Auffällig sind die Verbindungen zu angeschlossenen Marketingagenturen oder gar Amazon selbst schon.

Auch hier ist es recht einfach zu verstehen, dass Amazon versucht, das Marktplatzgeschäft auf viele Säulen zu stellen. Das Risiko wird minimiert und man hat Einfluss auf den einzelnen Marktplatzhändler. So könnte Amazon wesentlich einfacher eigene Ziele und Strategien durchsetzen.

Auch unter diesem Gesichtspunkt kann man die globale Logistikstrategie unterordnen.

Warum macht es Amazon selber?

Kürzlich wurde ja auch in den Medien die Frage aufgeworfen, wie viel „Retailer“ (Einzelhändler) überhaupt noch in Amazon steckt. Amazon verdiente in der Vergangenheit (die Zahlen wurden ja gerade erst veröffentlicht) sehr gut an Dienstleistungsservices, wie eben auch FBA.

Natürlich macht es enormen Sinn die Dinge eben nicht auszulagern, wo sie für das eigene Unternehmen doch ertragreicher selbst durchzuführen sind.

Ist das Amazons Logistik Strategie?

Warum soll ich denn nicht selber zustellen lassen, wenn ich dabei meine Fahrzeuge voll auslasten kann? Den Ertrag kann ich selbst einstreichen und auch die Prozesssteuerung habe ich selbst in der Hand. Gerade weil Amazon sich so stark auf den Kunden fokussiert ist es wichtig hier die Kontrolle zu behalten.

Etwas spitz gesagt lässt Amazon sich von seinen Händlern den Service bezahlen den die kostengünstigster nirgends bekommen können. Vermessen zu glauben, dass Amazon diese Logistikmöglichkeiten nicht auch für den eigenen Handel nutzen wird.

Meine Meinung:

Bereits seit 2013 war zu erkennen, dass Amazon massivst in die Lieferkette eingreifen möchte. Im Hinblick auf die Gesamtstrategien, die bisweilen öffentlich geworden sind, ist das auch nachvollziehbar. Immer den Kunden im Fokus zu haben bedeutet halt auch, möglichst viele Parameter selbst, schnell und effektiv zu steuern. Und dass Amazon genau das will und auch kann, zeigt der Riese tagtäglich.

Dass Amazon-Partner, wie zum Beispiel DHL, UPS oder FedEx, eine solche Entwicklung überrascht, verstehe ich nicht!

Im Dezember erfuhr ich aus dem Konzernumfeld von DHL, dass der Vorstand der Auffassung sei, er könne mit Amazon noch die nächsten 5-7 Jahre gut Geld verdienen.

Ich finde diese Meinung doch sehr ambitioniert. Sozusagen bewirkt es ein mitleidvoll lächelndes Kopfschütteln. Bei all diesen Informationen ist wohl klar, woran Amazon arbeitet. Schon jetzt sorgt der Onlineriese für mehr als 1/3 Auslastung bei dem einen oder anderen Paketdienstleister.

Ich behaupte mal, dass ich Amazon ganz gut verstehe. Keine der News hat mich wirklich überrascht. Eigentlich ist es aber auch nicht sonderlich herausfordernd, die Logik dahinter zu erkennen. Ganz einfach:

Kundenbrille aufsetzen, nichts für unmöglich halten, und einfach mal ausprobieren!

Ich kenne kein anderes Unternehmen, das so effizient und so erfolgreich das Motto lebt: „Versuch macht kluch“.

Und hier noch ein grandioser Artikel von Karsten Werner bei etailment.de! Karstens Meinung auf Twitter „FBA ist der Hebel. Ein Plus an FBA-Erlösen überkompensiert die zusätzlichen Aufwendungen als Transport-Logistiker.“