Mehr als 200 Jahre Erfahrung im stationären Handel – darauf kann das Schuhhaus Willer im nordrhein-westfälischen Kalletal zurückblicken. Seit acht Generationen kümmert sich Familie Willer um das Schuhwerk der Menschen in dem 15.000-Einwohner-Ort. Das bedeutet viel Kompetenz, aber auch langjährig gewachsene Strukturen und Prozesse. Im Rahmen des Förderprogramms Unternehmer der Zukunft von Amazon und WirtschaftsWoche hat sich Juniorchef Jan Willer nun auf die Fahnen geschrieben, auch im Internethandel Fuß zu fassen. Vor allem im Logistikbereich sieht sich das traditionsreiche Schuhhaus dabei mit einigen Herausforderungen konfrontiert.

„Zurzeit sind wir damit beschäftigt, für unser Warenwirtschaftssystem geeignete Schnittstellen zu finden, um unsere Produkte automatisiert auf Amazon zu bekommen“, berichtet Jan Willer. Die Zeit dafür sei es wert. „Denn wenn wir uns jetzt fit für das Internet machen, haben wir einen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen aus der Branche.“

Nicht nur die Technik muss bei Schuhhaus Willer an den Online-Handel angepasst werden, sondern auch die Lagerhaltung. Juniorchef Jan weiß, dass der Versand mittels FBA für Händler wie Kunden gleichermaßen Vorteile bietet. „Wir können es uns aber nicht leisten, zu viel Bestände an Amazon zu schicken, da wir ja weiterhin vor Ort im Ladengeschäft verkaufen.“ Als Lösung hat sich Willer für eine zweigleisige Strategie entschieden. „Wir wollen die Topseller mit besonders hoher Drehzahl per FBA versenden und den Rest selbst verschicken.“ Doch müsse man erst einmal herausfinden, welche Schuhe online besonders gut liefen. „Seit dem Start bei Unternehmer der Zukunft haben sich unsere Verkäufe sehr gut entwickelt. Wir machen Fortschritte.“ Jan Willer kann sich sogar vorstellen, dass das bisherige Lager eines Tages an seine Kapazitätsgrenzen stößt. „Dann werden wir mehr über FBA verkaufen. Das macht mehr Sinn, als über ein neues Lager nachzudenken.“

Neu ist für Schuhhaus Willer auch das Thema Retouren. Gerade das Schuh-Segment ist online für seine besonders hohen Rücksendequoten bekannt. „Wir haben deshalb viele Retouren erwartet und sind nun überrascht, dass unsere Quoten so niedrig sind.“ Auch hier tastet sich Schuhhaus Willer Schritt für Schritt an das Online-Geschäft heran. Zunächst habe man nur Damen- und Herrenschuhe bei Amazon verkauft und auf das Angebot von Kinderschuhen verzichtet, da man hier besonders viele Rücksendungen befürchtete. „Nach den guten Erfahrungen sind wir jetzt aber auch auf Kinderschuhe neugierig geworden und wollen schauen, ob hier die Retourenquote tatsächlich höher ausfällt.“

Nach acht Generationen stationärer Erfahrung wächst bei Schuhhaus Willer nun also auch das Online-Know-How. Jan Willer will sich dabei zunächst auf Amazon konzentrieren, plant mittelfristig aber bereits die nächsten Schritte: „Wenn wir mit der Technik und unseren Prozessen soweit sind, wollen wir auch auf andere Marktplätze gehen. Und wenn alles klappt, planen wir im dritten Schritt dann einen eigenen Onlineshop.“

Kürzlich hat auch die Neue Westfälische über den Schuhhändler aus Kalletal berichtet.

[…] Ihm zur Seite stehen ein Account-Manager von Amazon und Mark Steier, E-Commerce-Coach und Blogger (wortfilter.de). Letzterer hat einige Erfahrungen. Steier war von 2001 bis 2012 im Bereich Autoteile auf EBay und im Internet aktiv. 2010 avancierte er zum größten Verkäufer bei eBay-Motors – mit mehr als 30.000 Transaktionen monatlich. Er weiß, wie Verkaufen im Netz geht.

„Schuhhaus Willer ist ein Paradebeispiel“

Und findet nur Lob für das Schuhhaus Willer: „Das Unternehmen ist bereits gut aufgestellt. Ein Paradebeispiel dafür, wie man als kleiner Fachhändler der Herausforderung Internet begegnet.“ Vom Schuhmacher zum Schuhhandel zum Outlet ins Internet. „Die verschiedenen Generationen der Familie Willer haben sich den jeweiligen Situationen gut angepasst“, so Steier. Die Grundvoraussetzung für ein erfolgreiches Geschäft ist, offen für Ideen zu sein. Und diese Offenheit attestiert Steier dem Schuhhaus Willer.

#unternehmerderzukunft