Adrian Hotz, Amazon Profi, berichtet heute über den Start von Amazons Same Day Delivery in 14 deutschen Städten und deklariert Amazon als Sargnagel des deutschen Handels. Ist dem tatsächlich so?

Vor ein paar Tagen las ich ein Zitat von Ralf Kleber Amazons Stadthalter in Deutschland: „Wenn man alle Produkte liefern kann hat man bei den Kunden eine gewisse Relevanz“ Das ist keine besonders tiefschürfende, aber eine sehr wahre Erkenntnis.

Und wer, wenn nicht der deutsche klassische stationäre Handel hat alles, aber auch wirklich alles lieferbar. Und das meistens noch günstiger als Amazon. Locafox.de hat 30.000 Produkte geprüft und festgestellt das der stationäre Handel zu 55% seine Artikel günstiger anbietet als Amazon.

Die Faktenlage ist also: Der stationäre Handel kann alles und das meiste auch günstiger liefern als Amazon. Warum fehlt dann, Klebers Erkenntnis folgend die Relevanz.

Schuld ist die Fragmentierung, die Organisationsstruktur des klassischen Handels. Viele Geschäfte, viele Entscheider und träge Verbände wie der HDE und der bevh. Zerredet und zerrissen werden Projekte wie Heinemanns und eBays Mönchengladbach oder DIE Online-City-Wuppertal. Das Land der Bedenkenträger macht seinem Ruf alle Ehre.

Es passiert nichts. Und wenn mal was passiert ist der Medien-Hype auch schon fast das größte an den Ereignissen.

Ist nun Amazon der Sargnagel, oder gräbt sich der klassische handel sein eigenes Grab?

Amazon ist deshalb erfolgreich weil es Bedürfnisse stillt. (Aber noch nicht einmal selbst welche schafft!) Was der Kunde will, Amazon ist da und macht es. Zack zack. Und damit ist die Frage auch schon fast beantwortet: Der klassische Handel reagiert nicht, Verbände und die Geschäfte selber scheinen in einer Art Schockstarre seit Jahren zu verharren.

Nichts wäre einfacher als eine Kooperation (Und das ist nur ein Ideen-Ansatz). Wir würden dann nicht über den SDD schreiben, neh, wir würden dann über Lieferungen innerhalb von Stunden schreiben. Aber die Realität sieht anders aus: Hört euch mal die Herausforderungen an vor denen die Macher von Online City Wuppertal stehen.

Ja, Amazon ist ein Sargnagel. Das Grab dazu hat sich der Handel aber selber gegraben. Und wie das im Leben so ist. Es gibt halt nicht „nur ein bisschen schwanger“ und genau so ist das mit dem Tod des Handels. Es gibt auch da nicht „nur ein bisschen Tot“

Wer trägt denn nun aber die Schuld? Naja der Fisch stinkt vom Kopf an. Und da wären dann halt erst einmal die beiden Verbände HDE und bevh und auch die IHKs sind nicht ganz unschuldig.

Ein HDE der vor einem kleinen Blog kapituliert und den Online-Verkauf seiner Publikationen einstellt, was will der an Online-Kompetenz haben. Keine. Ein bevh der sich selbstherrlich um seine Zahlen streitet (Oder zu blöde ist 1 plus 1 gleich 2 zu rechnen). Können solch dilettantisch arbeitenden Verbände den klassischen Handel unterstützen? Wollen sie das? Oder sind diese beiden Verbände nicht eher Mietmäuler ihrer best zahlenden Mitglieder?

Hört man dann aus den Reihen der IHKs sinngemäß dieses: „Ist Amazon nicht das wo meine Frau ihre Handtaschen kauft. Das kann nicht wichtig sein.“, dann bleibt einem alles im Hals stecken.

Zu viele Fragen, kein Visionär an Bord, keine Initiative. Liebe klassischen Händler, es sieht beschissen aus bei euch!

Und das schlimme: Lösungen wären so einfach. Oder was meint ihr?