Gestern, am 10. Februar, fand in San Francisco die Goldman Sachs Technology and Media Conference statt. Devin Wenig, CEO von eBay, stellte sich den Fragen der Investoren und gab einige Statements.

Sein Intro war einfach nur grandios: „Es gibt es eine Menge Fragen, und ich habe keine Antworten!“

Auch wenn dem mit Sicherheit nicht so ist, würde so mancher Händler diese Aussage blind unterschreiben.

Daten und kleine Händler

Inhaltlich treffender ist Wenigs Feststellung, dass eBay sich gegenwärtig im Wandel befindet. Er betonte erneut die Wichtigkeit, einen Marktplatz mit strukturierten Daten zu schaffen. Und er bestätigte auch, dass sein Fokus auf kleinen und mittleren Verkäufen liege.

„Three more huge retailers on to sell commodity goods where I don’t compare well.“

eBay sieht seine Ziel-Verkäufer im Boutique-Bereich und in den Kunsthandwerkern.

„Unique inventory and incredible value.“; „Think of every boutique and artisan, and small bookstore, and handmade crafter.“

eBay will sich nicht mit Amazon vergleichen lassen

Der Chef stellte klar, dass er eines nicht machen werde: Amazon nachjagen. In seinem vierzigminütigen Slot betonte er mehrmals, dass er fundamentale Unterschiede zu Jeff Bezos Amazon sehe.

„Other companies ground their value proposition in logistics“ ; „The last thing we should do is compete with Amazon by putting more concrete in the ground,“ ; „Let that war be fought on somebody else’s margins.“

Will eBay wieder zukaufen?

Auf die Frage, ob Übersichten von 2016 darauf hinweisen, dass man sich auf die Suche nach Akquisitionen mache, antwortete Devin:

„Expect us to be an acquisitive company.“

3 Tage Versandzeit sind genug

Devin Wenig wird nicht wie Amazon seinen Fokus auf Logistik- oder Fulfillment-Lager legen. Er baut vielmehr auf Partnerschaften und kündigte an, dass es davon in Zukunft eine Reihe neue geben wird. Eine durchschnittliche Lieferzeit von 3 Tagen, die eine eBay-Bestellung derzeit braucht, um beim Kunden anzukommen, sei ausreichend und damit sei eBays Ziel erreicht.

eBay ist für Käuferkunden zu kompliziert

Wenig betonte noch, dass eBay für Käuferkunden zu kompliziert sei. Unter „replatforming“ ordnete er sein Projekt, um strukturierte Produktdaten zu schaffen. Damit möchte er neue Produktseiten ermöglichen.

„We’re changing from an unstructured to highly structured marketplace,“ ; „That’s not easy and it takes time.“

eBays Chef sprach in San Francisco über die Zukunft des Marktplatzes

(Quellen: Forbes, ecommercebytes, Fortune, Getty Images)

Meine Meinung:

Dass eBay sich neu ausrichtet und auf KMU fokussiert, ist nicht neu bereits seit Wenigs Antritt als eBay-Chef bekannt. Ich halte die Konzentration auf kleine und mittlere Händler auch für die richtige Entscheidung und hatte das auch schon einmal in diesem Artikel angerissen.

Auch die Fokussierung auf einzigartiges und inspirierendes Inventar scheint mir schlüssig zu sein, denn Handarbeitsartikel, Selbstgemachtes und Sammlerartikel wurden eine Zeit lang grausam vernachlässigt. Dadurch rückt eBay ein klein wenig in Richtung der Handmade-Marktplätze, wie zum Beispiel Dawanda. Das wurde auch schon häufig in meiner Facebookgruppe von Händlern kritisiert.

Das eBay-Käufe zu kompliziert sind, ist nicht die schlechteste Erkenntnis. Im Gegensatz zu den anderen Marktplätzen und Shops ist es doch so, dass die Auffindbarkeit schwierig ist. Artikeln zu finden sollte leichter sein. Das kann eBay noch nicht gut genug. Die Einführung von strukturierten Produktdaten ist daher zwingend geboten.

Viel spannender finde ich aber die Ankündigung, dass eBay neue Produktseiten schaffen möchte. Ob wir da 2016 noch eine Überraschung erleben? Kann das bedeuten, dass eBay die kompletten Artikelansichten ändert? Kann es sein, dass es nicht mehr gestattet ist, individuelle Templates in die Beschreibungen einzufügen? Bedeutet das sogar, dass die Darstellung der Suchergebnisse sich völlig verändert? Meine Prognose: Dieses Jahr, auch außerhalb der üblichen Update-Zyklen, werden wir krasse Neuigkeiten von eBay hören.

Verständlich das Statement eBay möchte sich nicht mit Amazon vergleichen lassen. Aber in der Realität ist es nun einmal so, dass beide Marktplätze nahezu deckungsgleiche Sortimente anbieten. Auch Amazon plant den Ausbau Richtung Selbstgemachtes. EBay wird sich, ob es nun Wenig passt oder nicht, nach wie vor mit Amazon vergleichen lassen müssen.

Völlig unverständlich ist mir aber die Aussage, dass eine durchschnittliche Lieferzeit von 3 Tagen ausreichend sei. Das ist schlicht falsch! Zig Studien zeigen auf, dass gerade die schnelle Verfügbarkeit von Produkten ausschlaggebend für ein positives und nachhaltiges Kauferlebnis ist. In meinen Augen geht eBay hier den falschen Weg. Vielmehr sollte der Marktplatz seine Bemühungen nach besseren Lieferzeiten (meinetwegen durch Partnerschaften) ausbauen.

Stichwort Partnerschaften: Ja, das wäre einmal schön. Bei ebay.de finde ich allerdings nicht viele für Verkäufer wertvolle Partnerschaften. EBay ist es nicht gelungen, den Verkäufern die Möglichkeit einer schnellen Zustellung zu schaffen. Die Mindestanforderung wäre ja nun eine ähnliche Bevorzugung, wie sie Amazon bei DHL genießt, zu ermöglichen.

Großes Thema:

Fulfillment. Auch wenn Start-ups und Entrepreneurs die Möglichkeit haben, mit Amazon FBA ihre eBay-Bestellungen zu versenden, so wäre eine Alternative mehr als wünschenswert. Da eBay ja sehr stark den Cross Border Trade (also den grenzüberschreitenden Handel) favorisiert. EBays Engagement beim Thema Fulfillment sollte es also sein, eigene Möglichkeiten zu schaffen.

Fazit:

Sehr kritisch sehe ich die (noch) fehlende Unterstützung beim Fulfillment und beim CBT. Ich kann beim besten Willen Wenigs Meinung nicht teilen, dass eine Zustellzeit von 3 Tagen zufriedenstellend ist.