Das was eBay und Trusted Shops auf die Straße gesetzt haben, ist schon kein Beben mehr. Da explodiert mal eben eine ganze Branche, und zwar die der Abo-Modelle von Rechtstexten. Ein Wisch und weg ist sie. Das wird viele Kanzleien und Vereine hart treffen. Wer braucht noch ein Rechtstexte-Abo und wer will dafür noch Geld zahlen? Keiner. Gut so!

Der große Showdown

Heute kündigten eBay und Trusted Shops eine Kooperation an. Der Dienstleister aus Köln liefert für alle eBay-Shop-Nutzer kostenlos ein großes Rechtstextepaket mit Haftungsübernahme und Support. Für lau, für ümme. Für die Händler ist das eine Kostenersparnis. Aber was bedeutet das für die ganze Dienstleisterbranche um Rechtstexte?

Das ist mal eine Ohrfeige

Für die größeren und großen Akteure – ganz vorne der Händlerbund, die IT Rechtkanzlei in München und auch Janolaw und Protected Shops – ist das ein Schlag ins Gesicht, nein, eher ein Treffer mitten in die Eingeweide. Gerade der Händlerbund, der sich sehr nahe an eBay positioniert, hat hier den Kürzeren gezogen. War er nicht in der Lage, die Leistung zu erbringen? Wirkt da noch die Vergangenheit? (Nicht nur einmal rollte der HB falsche Texte aus!) Hat der Marktplatzbetreiber kein Vertrauen in die anderen Dienstleister? – Disqualifikation durch eine kleine, kurze Pressemeldung. Natürlich ist es so, dass sich die Plattform den Partner sucht, der nachhaltig und qualitativ hochwertig liefern kann. Der muss aber auch in der Lage sein, Garantien wie die Haftungsübernahme zu stemmen. Und das ist eben Trusted Shops, nicht der Händlerbund oder die Kanzlei um Max Lion Keller. Das hat Signalwirkung.

Warum sollte ein Händler noch ein Abo benötigen?

Da kann man vielleicht noch den internationalen Handel mit aufs Spielfeld werfen. Auch da werden Rechtstexte benötigt. Aber sind wir mal ehrlich, wenn ich als Händler bereits Trusted Shops-Kunde bin, dann gehe ich auch zunächst erst einmal dorthin. Es ist nun auch bekannt, dass Trusted Shops mit die besten internationalen Rechtstexte anbietet. Auch ist in der Branche bekannt, dass kleinere und mittlere Dienstleister sich die Rechtstexte als ‚White Label-Produkt‘ einkaufen, sie also gar nicht mehr selbst erstellen.

Bringen wir aber noch den kostenlosen Rechtstexter von Trusted Shops (kurz TS) mit in die Schlacht, dann wird die Waffenungleichheit deutlich. Da kann es nur einen Gewinner geben.

Kurz und knapp: Händler brauchen solche Abos nicht mehr. Wozu auch?

Und weg ist die Geschäftsgrundlage

Gerade die Kanzleien und Dienstleister, die sich auf kleine und mittlere Händler gestützt haben, werden diesen sehr smarten Move von TS zu spüren bekommen. Deutlich. Nehmen wir als Beispiel einmal den nach eigenen Angaben größten Player der Branche, den Händlerbund. Seine Abos beginnen bei 9.90€. Das Trusted Shops-Paket entspricht aber eher dem Händlerbund-Premium-Angebot für 24.95€ monatlich.

Es gibt rund 120.000 aktive gewerbliche Händler. Circa 60.000 haben mindestens den Bronze-Status, also einen Umsatz ab 1.000€ monatlich. Hinzuzurechnen sind dann noch die paar tausend Händler, die ihr Business – zuerst und zunächst – ausschließlich auf Amazon gestartet haben. Die machen den Kohl aber auch nicht mehr fett. Der Markt ist also nicht besonders groß und damit anfällig.

Subjektiv gingen dem Händlerbund meist die kleinen Fische ins Netz. Daher wird er wohl auch am deutlichsten die Auswirkungen zu spüren bekommen.

Wer am Ende des Tages auf der Strecke bleibt, kann ich nicht vorhersehen. Federn werden alle lassen müssen und ich wäre nicht überrascht, wenn einige sogar gegrillt werden. Das kann schnell gehen. Die Händlerbund Management AG wies zuletzt noch ein positives Ergebnis von 63.800,74€ aus. Die ITB Rechtsanwaltsgesellschaft mbH veröffentlichte einen nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag i. H. v. 8.695,51€. Viel Futter ist da nicht. Da bläst es doch schon eher sehr zugig durch die Rippen.

Schonfrist gibt es – aber wenig

Da die Händler ja häufig Jahres-Abos abgeschlossen haben, wird das große Jammern wohl noch etwas warten müssen. Selbst wenn ein erheblicher Teil der Händler ihren Dienstleistern nun kündigt, so wirkt das erst zum Ablauf des Abos. Nennt man das Galgenfrist?

Aus Händlersicht ist die Entwicklung zu begrüßen

Bringen wir es auf den Punkt. Nur wenige Abo-Dienstleister haben wirklich gute Rechtstexte geliefert. Viele Anbieter mussten nicht nur einmal ihre Veröffentlichungen revidieren. Sie haben damit den Händlern viel Arbeit gemacht. Und wenig Geld haben sie ihnen auch nicht aus der Tasche gezogen. Gut, das ist nun vorbei.

Außer Spesen nichts gewesen

Die großen Abmahner hatten ihre Zeit, die Texteanbieter auch. Die Daumenschrauben werden stärker angelegt und langsam kann auch jeder Depp erkennen, dass die aktuellen Aktivitäten gegen das missbräuchliche Abmahnunwesen langsam Wirkung zeigen. Es ist nicht die eine Maßnahme, die es der ‚Abmahnindustrie‘ – und zu der zählen die Rechtstexteanbieter – das Überleben schwer macht. Es sind die einzelnen Puzzelstücke, die ihr nach und nach den Garaus machen. Auch das ist gut. Hier und jetzt sind es einfach nur die Entlastung der Händlerkassen und der Entzug einer Geschäftsgrundlage für Rechtstextedienstleister.