Am 3.10.2016 veröffentlichte Facebook eine Pressemitteilung, in der das Unternehmen ankündigt, einen Marktplatz zu starten. Facebook Marketplace nennt sich das neue Feature. Es ist zunächst nur mobil in den USA und einigen anderen Ländern verfügbar. Facebook kündigt aber bereits die Erweiterung auch für den Desktop sowie den Launch in anderen Ländern an.

Zunächst nur Kleinanzeigen

Facebook Marketplace funktioniert zunächst wie eine der vielen Flohmarkt Apps und steht eher mit eBay Kleinanzeigen oder Shpock im Wettbewerb. Neue Angebote lassen sich einfach über die App einstellen. Einen „Kaufen“-Knopf gibt es nicht. Die Preisverhandlungen werden dann über den Messenger geführt. Unterstützung beim Payment oder beim Shipping durch Facebook gibt es ebenfalls (noch) nicht. Nutzen dürfen die Funktion alle über 18. Waffen, Drogen und sonstige verbotene Artikel dürfen nicht gehandelt werden.

Weder Fleisch noch Fisch

Der Begriff Marketplace scheint mir für das Feature zu hoch gegriffen. Und in meinen Augen lässt Facebook viel Potenzial liegen bzw. launcht ein halb fertiges Produkt. Facebooks Shops, dann die Zusammenarbeit mit Shopify und nicht zuletzt das faeturen von An- und Verkaufsgruppen scheint nicht so recht zu gelingen. Für Händler sind Facebooks Angebote derzeit sehr ernüchternd. Schade.

Ein ernst zu nehmender Marktplatz? Hoffentlich!

(Quelle:facebook.com)

Was fehlt?

Natürlich wären Versand- und Paymentunterstützungen wichtig. Ebenso Hilfestellungen beim rechtskonformen Präsentieren der Waren und beim Verwalten von Transaktionen. Eigentlich sollte Facebook das stemmen können. Zahlmöglichkeiten über den Messenger werden in Zukunft von Drittanbietern angeboten werden. Aber ist das denn nötig? WeChat aus China zeigt doch großartig wie ein solches Ökosystem funktionieren kann.

Fazit:

Chance vertan? Das Unternehmen ist groß genug die Dinge auch einmal richtig zu machen. Daher bleibt es abzuwarten, ob Facebook die Konsumenten versteht. Das Wichtigste, die Nutzer, hat das Soziale Netzwerk ja. Eine gute Marktplatz/ECommerce-Anwendung zu bieten erscheint mir zwingend.

Aber:

Auch Google scheint es nicht möglich zu sein seine Stellung zu festigen und Nutzern gute Kauferlebnisse zu ermöglichen. Aktuelle Umfragen ergeben, dass bereits 55% der Konsumenten nicht mehr Google zur Produktrecherche nutzen. Unglaublich wie krass es doch die Hidden Champions schaffen ihre Möglichkeiten zu verkacken. Grandios das zu beobachten.

Und auch die Marktplätze der 3. Und 4. Reihe bieten den Händlern nicht wirklich eine Chance.

Solange das GMV der einzelnen Marktplätze in etwa dem Umsatz des größten eBay-Händlers entspricht, kann man glaube ich zu Recht von einer deutlichen Irrelevanz der Alternativ-Marktplätze sprechen. Der Begriff Alternative ist eigentlich schon falsch gewählt.

Traurig das sich kein Anbieter – einige hätten ja das Potenzial -, als echte Alternative zu den beiden Platzhirschen positionieren kann. Gerade Rakuten und allyouneed scheinen ja gerade um den ersten Platz der Verlierer zu challengen.

Also: Wir können hoffen, dass Facebook nun die Kurve bekommt. Wünschenswert wäre es.