Das Thema Repricing wird oft heiß diskutiert und reduziert sich oft nur auf das Anpassen der Preise gegenüber den Marktbegleitern. Das ist nicht nur falsch, sondern gefährlich für jedes Business. Daher erkläre ich einmal ein wenig, was hinter der Idee der dynamischen Preisanpassung steckt:

„Dynamic Pricing, auch dynamisches Preismanagement ist eine Preisstrategie bei der Unternehmen die Preise für Produkte oder Dienstleistungen auf Basis des aktuellen Marktbedarfs anpassen. Es handelt sich dabei um ein Modell, welches Preise anhand automatischer Algorithmen berechnet. Dabei werden Faktoren wie die Preisgestaltung der Konkurrenten, Angebot und Nachfrage und andere externe Faktoren miteinbezogen.“

Auch der Begriff Algorithmus ist wichtig:

„Ein Algorithmus ist eine eindeutige Handlungsvorschrift zur Lösung eines Problems oder einer Klasse von Problemen. Algorithmen bestehen aus endlich vielen, wohldefinierten Einzelschritten.“

Und das dritte Element ist die Preisstrategie:

„Bevor ein Produkt in den Markt eingeführt wird, ist zu entscheiden, welche Preisstrategie für das Produkt verwendet werden soll. Man unterscheidet zwischen der Festpreisstrategie, Preiswettbewerbsstrategie und Preisabfolgestrategie. Die gewählte Preisstrategie ist das Fundament für die Preispolitik eines Unternehmens. Sie hat einen hohen Einfluss auf die Elemente des Marketing-Mix.“ (Quelle: wikipedia.de)

Einen ganz hervorragenden Artikel habe ich auf telepolis.de gefunden. Bitte lest ihn einmal. Hieraus dieses Zitat:

„Für Werner Reinartz, einem Professor am INSEAD in Frankreich müssen 5 Bedingungen erfüllt sein, damit die dynamische Preisgestaltung erfolgreich ist:

1. Die Kaufbereitschaft der Kunden muss unterschiedlich sein.

2. Der Markt muss segmentierbar sein.

3. Das Arbritagepotenzial (Ausnutzungspotenzial)sollte limitiert sein.

4. Die Kosten der Segmentierung und der Preispolitik sollten bei der Anpassung an die Kunden die Umsatzanstiege nicht überschreiten.

5. Die Fairness sollte nicht verletzt werden.“

Das sind die Kriterien:

Folgende Punkte erachte ich als wichtig und habe hiermit die Kandidaten bewertet:

Anbieterland

Mir ist das Land des Anbieters im Falle einer Haftungsfrage z. B. bei Preisfehlern wichtig. Ich bewerte also Anbieter aus Deutschland höher und aus Drittländern, außerhalb der EU, niedriger.

Werden Preisstrategien angeboten?

Wesentliches Merkmal eines guten Tools ist das Angebot verschiedener und umfassender Preisstrategien. Und damit meine ich nicht die „bekannten Regeln“, welche die meisten Tools anbieten.

Updatetime

Damit ist die Reaktions- und Prüfzeit der Tools gemeint. Wie schnell reagieren und erfassen die unterschiedlichen Anbieter Preisänderungen.

Support

Welches Modell der Kundenbetreuung wird angeboten? Hoch bewertet ist der kostenlose 24/7 Support.

Haftung & Versicherung

Neben guten Preisstrategien ist das Vorhandensein einer Versicherung zur Absicherung von Softwarefehlern einer der wichtigsten Merkmale auf die Händler achten sollten. Die Toolanbieter werden ohne Versicherung nicht in der Lage sein, Schäden, die durch ihr Tool entstehen, zu regulieren. Da Preisfehler allerdings für Händler existenzbedrohend sein können, sollte jeder auf eine Versicherung des Tool-Anbieters achten.

Kosten

Natürlich sollte jedes Tool ein vernünftiges Preis-Leistungs-Verhältnis abbilden. Sind die Betriebskosten eines Tools höher als der Mehrertrag, der generiert werden kann, dann ist ein solches Tool wertlos und unsinnig.

Tops und Flops beim Repricing

Erklärung: Punkte 1 bis 10. (10 ist sehr gut, 1 ist unterirdisch. )

Gewinner vs. Verlierer: Unter den 16 Anbietern hat Sellerlogic ganz klar den 1. Platz belegt. Ausschlaggebend war die umfangreiche Bereitstellung an Strategien, sowie die Vorlage einer Versicherung. Eindeutig ist der Gewinner am ehesten in der Lage den besten Preis für die skizierte Marktsituation abzubilden. Das Schlusslicht belegten Wiser sowie beny-repricing.

Fazit:

Es gibt eine Menge an Anbietern auf dem Markt, doch nur die Wenigsten bieten kluge und ausgereifte Strategien an, wie die unterschiedlichen Parameter, die zu einer guten Preisstellung führen, berücksichtigt werden können. Enttäuschend, dass zu viele Anbieter lediglich dem Wettbewerbspreis hinterherrennen.

Alle Anbieter sind leider nicht in der Lage eine geeignete Lösung für Private Label-Händler anzubieten. Hier würde ich erwarten, dass Preisstrategien zu fremden ASIN oder GTIN möglich wären. Ein Eigenmarkenhändler hat selten Wettbewerb zu seiner eigenen Marke, sondern zu Marktbegleiten, die ähnliche oder identische Produkte unter anderen Marken anbieten. Hier klafft noch eine große Lücke.

Gleichfalls zu kritisieren ist der Umstand, dass kaum plattformübergreifenden Strategien angeboten werden. Unbedingt notwendig ist es ja, dass die Händler in die Lage versetzt werden, über alle Plattformen eine einheitliche Strategie darzustellen. Unterschiedliche Preise auf unterschiedlichen Plattformen beschädigen in erheblichem Maß das Kauferlebnis der Konsumenten bei den „schludrigen“ Händlern, die Preise auf dem einen Marktplatz ändern und den anderen übersehen. Jeder vergisst ja mal.

Erschreckend ist der Umstand, dass selbst langjährige Anbieter von Tools diesen Bedarf noch nicht entdeckt und gelöst haben.