Einige Medien geraten wegen ihrer sehr kruden Einstellung zum geistigen Eigentum in Kritik. Dazu gehören der Händlerbund und der Dienstleister Statista. Mit großer Verwunderung habe ich heute den Verweis auf unterschiedliche CC Lizenzen des bekannten Schweizer Blogs carpathia.ch gelesen.

Carpathia wehrt sich

Recht deutlich nennt der Blog carpathia.ch dann auch Ross und Reiter und klagt offen an:

Unsere Beiträge sind als Werke geschützt unter einer Dual-Creative-Commons-Lizenz wie folgt:

Warum dem leider so sein muss

Wir bei Carpathia betreiben diesen Blog mit viel Leidenschaft und Herzblut, investieren Woche für Woche Stunden um Neuigkeiten rund um den Digitalen Wandel im Handel und der Gesellschaft zu dokumentieren, kommentieren und auch konstruktiv zu kritisieren. Ein Grossteil der Beiträge entsteht in der Freizeit.

Auch freuen wir uns ausserordentlich, wenn unsere Themen aufgenommen werden und in renommierten Tages- und Wirtschaftspublikationen fortgeführt und vertieft werden. Dies ist eine zusätzliche Motivation für uns.

Der überwiegende Teil dieser Medien zitiert uns korrekt und verweist auf die Quelle. In letzter Zeit haben verschiedene Medien wiederholt – so unter anderem 20 Minuten – unsere teilweise aufwändig recherchierten Beiträge ungefragt übernommen.

Andere wiederum kopieren unsere Inhalte und bieten sie gar kostenpflichtig (!) deren Lesern an, so beispielsweise das Portal Statista wo man ungeniert unsere aufwändigen Recherchen zu den Zalando-Zahlen, zu den Onlineshop- vs. Shopping-Center-Umsätzenund weiteres erneut publiziert. Ungefragt und ohne Quellen-Angabe im öffentlichen Teil. Wer die Details wissen will, muss zahlen.

Wir finden das stossend und veröffentlichen neu alle unsere Inhalte unter einer Dual-Lizenzvgl. oben, weil dies uns mehr Handhabe gegen dieses unseres Erachtens unlautere Vorgehen gibt.

Und konkret

Konkret bedeutet dies, dass unsere Beiträge als Werk lizenziert sind unter einer Creative Commons Namensnennung was so viel heisst wie:

  • Für die Medien 20minuten, Händlerbund und Statista gilt eine Kopier- und Zitiereinschränkung nach der BY-NC Lizenz

onlinemarktplatz.de ist nicht zimperlich

Frank Weyermann, Betreiber von onlinemarktplatz.de, beklagt sich über die ungefragte Nutzung und Vermarktung seiner eBay-Zahlen die er seit 11 Jahren erfasst und kostenlos veröffentlicht.

Die durch uns seit 11 Jahren erhobenen Zahlen werden durch Statista ohne Rückfrage und ohne Genehmigung für deren kostenpflichtigen Premium-Bereich genutzt. Wir haben viel Zeit und auch Geld in die Erhebung gesteckt und haben die Zahlen bisher zum Nutzen unserer Leserschaft kostenfrei angeboten. Statista hingegen hat die Zahlen dreist 1:1 kopiert und verkauft sie in deren kostenpflichtigen Premium-Bereich.

Unsere Rückfrage an den Statista-Kundendienst, warum dies ohne Rückfrage geschieht, hatte direkt Post von einem Anwalt zur Folge, der uns darüber aufklärte, dass die Verwendung rechtmäßig sei. Ich habe die Rechtmäßigkeit der Verwendung durch einen Anwalt prüfen lassen, der zu dem Ergebnis kommt, dass die Daten sehr wohl dem Urheberschutz unterliegen, ich scheue jedoch das Kostenrisiko einer Klage.

t3n.de hat es dann auch erwischt

Das Medium t3n.de hat es dann smart für sich genutzt und einen tollen Artikel zur Reaktion auf Inhalteklau geschrieben: Hässlich geklaut bei t3n.de oder: Wie man Content-Diebstahl kreativ für sich nutzen kann

Mit E-Commerce hat das nichts zu tun

Blogs und Medien leben davon, dass sie Reichweite haben und zitiert werden. Oft sitzen die Autoren Stunden und Tage über ihren Artikeln. Ich finde es schade, wenn dann Inhalte einfach und ohne Verweis geklaut werden. Das muss nicht sein. Ich freue mich über jede Erwähnung und jeden Backlink. Wenn ich Artikel von Gastautoren veröffentliche oder Inhalte anderer Blogs übernehmen, verweise ich auf die Originale. Das gehört sich so. Lediglich auf Pressemitteilungen weise ist nicht immer hin.

Das aber ein Händlerbund und Statista so schmutzig handeln, ist in meinen Augen ein No-Go. Gerade der Händlerbund mit der ‚eigenen‘ Kanzlei ITB Rechtsanwaltsgesellschaft und auch Statista sollten doch genau wissen, wie unlauter dieses Verhalten ist.