Heute wurde Internetworld.de ein Interview mit Markus Schöberl, Verantwortlicher für den Amazon Seller Service in Deutschland, veröffentlicht. Das vollständige Interview könnt ihr hier lesen. Er teilte mit, dass seit Jahren der Umsatz der Amazon Marktplatzhändler am gesamten Handelsumsatz bei 45 % liegt. Schöberl berichtete, dass die Anzahl der deutschen Händler mit einem jährlichen Umsatz von über 1 Million € in 2015 um 25 % gestiegen ist.

135.000 Händler auf Amazon DE

[Update: Meine veröffentlichte Zahl bezieht auch alle inaktiven und suspendierten Merchant Accounts mit ein. Daher ist meine Angabe ungenau und im Kontext falsch. Tatsächlich waren Ende 2015 ca 45.000 Händler auf Amazon aktiv. Im Oktober 2016 waren es bereits über 64.000 Händler. Vielen Dank für den Leser-Hinweis.]

Weltweit beträgt die Zahl der Anbieter, die ihre Produkte über Amazon verkaufen, bei 2 Millionen. Wortfilter selber hat folgende Zahl ermittelt: Ende 2015 boten 135.000 Marktplatzhändler ihrer Artikel auf Amazon DE an. Zu berücksichtigen ist bei dieser Zahl, dass auch ausländische Verkäufer auf Amazon DE anbieten und mitgezählt wurden. Zum Vergleich: Auf eBay boten 2015 allein 121.000 deutsche Verkäufer ihre Produkte an. Was deutsche Händler betrifft, hat eBay also immer noch die Nase vorne.

Mehr als 45% Umsatz lässt Amazon nicht zu.

Da der Anteil an Marktplatzhändler von Amazon seit Jahren stabil bei 45 % liegt, bedeutet das aber auch, dass eine Steigerung dieser Zahl nicht mehr möglich ist. Sie können zwar am jährlichen Umsatzwachstum von Amazon selber partizipieren, aber offensichtlich möchte Amazon an dem Verhältnis 45 zu 55 nichts ändern.

Schmeißen wir jetzt noch die Zahl der Amazon-Händler in den Topf, die einen Umsatz von über 1 Million machen. Deren Anzahl ist im vergangenen Jahr um 25 % gewachsen. Was bedeutet das? Auf immer weniger Händler konzentriert sich immer mehr Umsatz.

Es wird nicht einfacher!

Für neue Amazon-Händler wird der Markteintritt so zunehmend schwieriger und ihrer Erfolgsaussichten schwinden. Der Platz für neue Anbieter wird schlicht immer kleiner, da Amazon scheinbar absichtlich den Umsatz fremder Händler auf 45 % begrenzt.

Neuer Trend: mit Amazon FBA in’s Unternehmertum?

Derweil beobachte ich den Trend der nachrückenden Verkäufergeneration, nicht mehr mit eBay zu starten, sondern sich Amazons FBA-Programm anzuschließen. Dort wollen sie den Start ins Online-Business schaffen. Wenn sich in einem künstlich eingeschränkten Markt mit „protegierten“ Marktteilnehmern (hier die großen Amazon Marketplace Händler) neue Marktteilnehmer drängen, dann kann das nur zu einem Hauen und Stechen führen. Dieser Umstand wird in naher Zukunft sicherlich zu einer weit brisanteren Wettbewerbssituation führen wird, als wir sie jemals auf eBay erleben durften.

Für alle Marktplatzteilnehmer führt das zu einem Mehrfrontenkrieg, bei dem es keine Gewinner geben kann.

Ich verstehe, dass der Markteintritt durch den FBA-Service sehr einfach und mit wenigen Investitionen verbunden ist. Jeder Händler sollte aber auch lernen und verstehen, dass das Angebot der eigenen Artikel nur auf Amazon nicht die klügste Entscheidung ist. Denn Amazon FBA erlaubt es ihnen schließlich, auch auf anderen Marktplätzen oder im eigenen Onlineshop zu verkaufen. Daher empfehle ich gerade den Startern, nicht eingleisig zu fahren.

Mehr Umsatz machen ebay Händler

Anhand dieser Eckdaten lässt sich auch der durchschnittliche Jahresumsatz eines Amazon-Marktplatzhändlers errechnen. Es sind nüchterne 20.595 €. Zum Vergleich: EBay-Händler erzielen einen durchschnittlichen Jahresumsatz von 25.333 Euro. Auch wenn es für viele augenscheinlich charmanter wirkt mit Amazon zu starten, so wird der höhere Umsatz doch immer noch auf eBay gemacht!